„Schüler lesen Zeitung“: Eröffnungsshow mit 125 Mitwirkenden in der IGS Mainspitze

Von
Michael Wien
Jungen Menschen sagt man nach, sie klebten lieber am Bildschirm, dem ihres Computers oder dem der Flimmerkiste, statt auch mal eine Zeitung in die Hand zu nehmen. Generalisierungen treffen selten, doch was die Schüler gestern aufboten, schien fast schon das Gegenteil zu belegen. In kleinen Spielszenen, Liedern, Tanzauftritten und einem rasanten sportlichen Finale zeigten sie geradezu euphorisch auf, was man mit einer Zeitung
Aktion

anfangen kann. Man kann sich damit zudecken, kleiden, kann sich einen Hut und wie jetzt gelernt auch Schuhe daraus machen – und man kann die Zeitung auch lesen. Macht man das dann auch noch mit Köpfchen, hinterfragt, was da wie und warum steht, welche Nachrichten oder Meinungen vielleicht fehlen und wie man dem abhelfen könnte, macht die Zeitung den Alltag spannender.
Die Erkenntnisse sprudelten nur so und wurden dazu ganz unakademisch präsentiert. Immer war eine Prise Humor dabei, gelegentlich auch Ironie, etwa im Überzeichnen mancher Angebote. Dass hier bereits ein gestandener Jahrgang am Werk war, zeigten die Jugendlichen nicht nur in kessen Hüftschwüngen, sondern auch in ihrem Mut zur Selbstironie: Gelangweiltes Raunen gab es da zunächst in einer Szene. Die Cafeteria werde also eine halbe Stunde vor Schulbeginn geöffnet sein, um der Lektüre Vorschub zu leisten. Aha. Um so heftiger der Temperamentsausbruch, als den Nörglern ein Gewinn versprochen wird.
Vom Musiktipp über Klatsch und Tratsch bis zum Sonderangebot im Anzeigenteil ließen die Schüler nichts aus, was eine Zeitung auch für sie interessant macht. Spätestens als die Cheerleaders in die Halle brüllten „Gib mir ein Z! Gib mir ein E!…“ begriff auch der Redakteur: Vehementer und überzeugender ist für Druckerzeugnisse wohl noch nirgends geworben worden.
Nach der mitreißenden Kür, für die man den Schülern die restliche Schulgemeinde und noch mehr Zuschauer und -hörer wünschte, wird nun die ernsthafte Beschäftigung mit Bericht, Kommentar und all den anderen Formen journalistischer Arbeit fortgesetzt. Die Schüler werden das Druckzentrum besichtigen und bei sich einen Redakteur über seine Arbeit befragen. Schließlich haben die Klassen Gelegenheit, mit eigenen Texten auch den übrigen Lesern zu zeigen, was ihnen die Beschäftigung mit der Zeitung gebracht hat. An Aufgeschlossenheit mangelte es schon beim Start nicht. Dass den Schülern wegen der Renovierung ihrer Schule nicht die Aula zur Verfügung stand, schien sie nicht zu bremsen.
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