8a der Rüdesheimer Hildegardisschule zählt zu den Teilnehmern des Projekts „Schüler lesen Zeitung“/Auf dem Stundenplan steht Recherche und Besuch des Druckzentrums

Von
Cornelia Diergardt
RÜDESHEIM Wie sieht der Berufsalltag einer Redakteurin aus? Woher bekommt der Kurier die Nachrichten aus Deutschland, Europa, aus aller Welt? Wer bestimmt, was morgen in der Zeitung steht? Wie im Flug verging die Schulstunde in der Klasse 8a der Rüdesheimer Hildegardisschule. Jede Menge Fragen stürmten auf die Berichterstatterin ein, die den 32 neugierigen und sehr aufmerksamen Schülern zum Werdegang, zu Ausbildungsmöglichkeiten und zur Berufspraxis Rede und Antwort stand.
Im Grunde war es ein Gespräch unter Kollegen. Denn die drei achten Klassen der Lehrer-Teams – Ingrid Schumann-Well, Mario Neumann und Klaus Böttcher – nehmen am Projekt „Schüler lesen Zeitung“ teil. Ausgestattet mit Reporterausweisen erleben die Achtklässler einen Unterricht der anderen Art. Sie besuchen die Polizei und recherchieren zum Thema Jugendkriminalität. Sie beleuchten den Abstiegskampf von Mainz 05 und die Stimmung der Fans. Oder sie schauen im neuen Wiesbadener Einkaufscenter „Liliencarée“ nicht nur in die Auslagen, sondern interviewen Anbieter und Kunden. Zahlen, Zitate, Hintergrund-Fakten und Passagen mit Atmosphäre sollen in eine Reportage münden. Damit haben sich die Schüler ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Schließlich zählt die Reportage zu den Königsdisziplinen der journalistischen Darstellungsformen. Beim „Redaktions-Gespräch“ in Rüdesheim wiederum wurden erstmal kleinere Brötchen gebacken. Unter anderem ging es um Überschriften. Zu einem Text über „Wie präsentiert man den neuen Freund oder die neue Freundin den Eltern?“ titelten die Nachwuchs-Journalisten mal sportlich, mal eher poetisch, auf jeden Fall pfiffig. In nur fünf Minuten lasen sie den Text und fanden eine Headline. Viele Ergebnisse der Schüler konnten durchaus dem Artikel in der Montagsausgabe des Kurier standhalten.
Die Achtklässler aus Rüdesheim zählen zu den 20 Klassen, die im Rheingau-Taunus-Kreis am Projekt „Schüler lesen Zeitung“ teilnehmen. Bei der Aktion steht nicht nur die tägliche Zeitungslektüre auf dem Programm.
Die Schüler besuchten das Druckzentrum der Verlagsgruppe Rhein-Main, zu der auch der Kurier gehört, in Mainz-Mombach. Außerdem unternehmen sie einen Ausflug zum Frankfurter Flughafen und besuchen die Ausbildungsmesse in Wiesbaden.
„Als arbeitsintensiv und sehr facettenreich“ bezeichnet Lehrerin Ingrid Schumann-Well, zugleich „Chefredakteurin“ des schuleigenen Blatts „Presented School“, die Aktion „Schüler lesen Zeitung“. Die 58-Jährige zeigt einen Stapel von Unterrichtsmaterialien, die die gesamte Spannbreite von Aufmacher über Ressorts bis Online-Redakteur umspannen. Donnerwetter, denkt die Berichterstatterin angesichts des breiten Spektrums. Zum Abschied gibt ihr die Klasse 8a einige „Hausaufgaben“ mit auf den Weg. Erstens: Wenn es um Politik und Wirtschaft geht, muss die Zeitung viel verständlicher schreiben. Und zweitens: Für Jugendliche soll das Blatt viel mehr Stoff bieten.