Dasein als Azubi ist kein Zuckerschlecken

Von
Nicole Urban
Es ist schwer genug, eine Ausbildungsstelle zu finden. Man schreibt 260 Bewerbungen, kriegt 150 Absagen, auf 50 bekommt man gar keine Antwort, bei 30 steht man auf der Warteliste, zu 29 Einstellungstests wird man geladen und wenn man Glück hat, erhält man eine positive Antwort. Warten und den Mut nicht verlieren, ist das einzige, was man Jugendlichen raten kann.
Doch das Azubileben ist kein Zuckerschlecken, der Alltag ist stressig: Von 9 bis 16.30 Uhr arbeiten, danach die Fahrt nach Hause, etwas essen, Hausarbeit verrichten und sich auf den Berufsschulunterricht vorbereiten – und da man ja auch seinen Hobbys nachgehen möchte, kommt man meist erst um 22 Uhr ins Bett. Als ob das nicht schon genug an den Nerven und am körperlichen Befinden reiben würde.
Jugendliche aus den neuen Bundesländern haben kaum eine Chance, in ihrer Heimat eine Lehrstelle zu finden. In einer Klasse mit 28 Schülern finden gerade einmal drei Leute eine Stelle in ihrer Heimat. Somit haben diese Jugendlichen, die meist erst 16 bis 17 Jahre alt sind, nicht nur die normalen Probleme eines Azubis, nein, bei ihnen kommt noch dazu, dass sie auf sich allein gestellt sind. Familie, Bekannte und Freunde wohnen meist bis zu 500 Kilometer entfernt. Und da Azubis finanziell nicht sehr gut dastehen, da sie ihre eigene Wohnung, Versicherung, Lebensmittel und Schulmaterial selbst finanzieren müssen, ist ein Besuch zu Hause nur ein bis zwei Mal im halben Jahr möglich.
Die Autorin ist Schülerin der BBS III.