AZ ist tägliche Lektüre im Unterricht der Grundschule

Von
Andreas Scherer
INGELHEIM „Toll ist, dass wir ein Boot gebastelt haben, dass wir in der Schule Zeitung lesen konnten, dass wir erfahren haben, was in der Welt passiert, und dass wir dabei etwas gelernt haben.“ Die Mitschüler aus der Klasse 4b der Brüder-Grimm-Grundschule in Frei-Weinheim spenden Glorias Zusammenfassung uneingeschränkten Beifall. Seit Anfang vergangener Woche gehört die tägliche Lektüre der Ingelheimer AZ zum Unterrichtsstoff. Die Klasse von Gisela Kloes-Lohbeck beteiligt sich am Projekt „Schüler lesen Zeitung“.
Dabei beschränkt sich der Unterricht nicht nur auf das intensive Lesen. Die Zeitung wurde und wird vielmehr genau unter die Lupe genommen. Wie viele Seiten erscheinen täglich? Welche Seiten entfallen auf welche Ressorts? Wie sind die Überschriften gemacht? Was wird bebildert? Die Schülerinnen und Schüler haben individuelle Arbeitsmappen angelegt, in denen die Ergebnisse ihrer Beobachtungen festgehalten sind. Wofür haben sie sich am meisten interessiert? „Viele Jungs schauen zuerst nach dem Sportteil“, sagt Gisela Kloes-Lohbeck, „bei den Mädchen ist die Seite Panorama der Favorit.“
Gestern hatten die Jungleser Gelegenheit, im direkten Kontakt mit einem AZ-Redakteur ihre Fragen, die noch offen waren, los zu werden. Dass jede Nacht rund 250000 Zeitungsexemplare durch die Druckmaschinen der Rhein Main Presse laufen, stellte für sie eine fast unvorstellbar große Zahl dar. Darüber hinaus hatten sie noch ein Fülle an Fragen: Was für einen Schulabschluss braucht man als Redakteur (Abitur, anschließend in der Regel ein Studium und eine Extra-Ausbildung, ein so genanntes Volontariat, bei einem Zeitungsverlag), wie wird man da bezahlt (in etwa vergleichbar mit Lehrern), wie viel Urlaub hat man im Jahr (gut sechs Wochen)?
Auch Wünsche meldeten die jungen Leserinnen und Leser an: Die Beilage vor den Heimspielen von Mainz 05 solle doch nicht nur in der Mainzer, sondern auch regelmäßig in der Ingelheimer Ausgabe erscheinen. Die Kinderseite im Wochenend-Journal wird allgemein geschätzt. Könnte man die nicht öfter machen?, fragten die Viertklässler. Sie mussten sich damit zufrieden geben, dass sich manche Wünsche aus organisatorischen, drucktechnischen oder auch Kostengründen nicht so ohne Weiteres umsetzen lassen.
Ein Frage konnte ihnen ihr Gast auf Anhieb nicht beantworten, deshalb wird die Wissbegier der Viertklässler der Brüder-Grimm-Schule an dieser Stelle befriedigt. Seit wann gibt es die Ingelheimer Zeitung? Das erste Exemplar unter diesem Namen erschien am 1. Oktober 1922. Nach dem Zweiten Weltkrieg (ab 1949) gab es dann eine tägliche Lokalausgabe als Ingelheimer AZ unter dem Dach der Mainzer Verlagsanstalt (heute Verlagsgruppe Rhein Main).
Bleibt noch eine letzte Frage offen: Was hat „Schüler lesen Zeitung“ mit dem Basteln eines Bootes zu tun? Das Motto der Brüder-Grimm-Schule lautet: „Wir sitzen alle in einem Boot“. Daran anknüpfend sind die gelesenen und ausgewerteten Zeitungsexemplare der vergangenen Tage nicht einfach im Altpapier gelandet, sondern wurden für eine Bootskonstruktion verwendet, die derzeit das Klassenzimmer der 4b schmückt.