Aus anfänglicher Ablehnung der Nationalmannschaft wurde bald Euphorie

WIESBADEN Die Frage „Ein Sommermärchen?“ wäre von fast allen Fußballfans und Fußballexperten vor der WM verneint worden. Die Nationalmannschaft war in der Weltmeisterschaftsvorbereitung einfach zu schlecht.
Die Trainingsmethoden von Jürgen Klinsmann wurden belächelt und sogar kritisiert. Bogenschießen als Konzentrationsübung und Gymnastik mit Terrabändern als Fitnesstraining waren bis dahin unübliche Trainingsmethoden. Es wurde sogar verlangt, dass der Bundestrainer seinen Wohnsitz in den USA aufgibt und nach Deutschland zieht. Außerdem seien die extra eingeflogenen Fitnesstrainer ihr Geld nicht wert. Die Auswahl der Nationalspieler wurde ebenfalls kritisiert.
Kevin Kuranyi musste zu Hause bleiben, dafür durfte sich der unerfahrene David Odonkor beweisen. Auch die Entscheidung Jens Lehmann anstatt des Stammtorhüters Oliver Kahn zu nominieren, wurde von Experten nicht als gut bezeichnet.
Nach dem Beginn der WM, als im ersten Spiel auch gleich ein Sieg erzielt wurde, verstummten die meisten Kritiker. Nach dem zweiten souveränen Sieg schlug die Stimmung in Deutschland um. Es entstand eine regelrechte Fußballeuphorie. Die Höhepunkte der WM waren sicher die Spiele Argentinien – Deutschland und das Spiel um den dritten Platz.
Menschen, die sich nie für Fußball interessiert hatten, pilgerten plötzlich zu Tausenden in die Stadien und auf die Fan-Meilen, um den Spielern zuzujubeln. Dies änderte sich auch nach der Niederlage gegen Italien nicht. Auch zu Hause am Bildschirm verfolgten Millionen Zuschauer die packenden Duelle. Von der Oma bis zum Enkel fieberten alle mit.
Die Stimmung in Deutschland hatte sich gewandelt. Die anfängliche Skepsis war komplett verflogen. Es gab ein Gesprächsthema, über das alle gemeinsam reden konnten. Diese positiven Ereignisse schweißten die Leute zusammen. Viele alltägliche Probleme wurden vergessen.
Die Stimmung war einfach super. Damit kann die Frage: Deutschland ein Sommermärchen, wohl eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden.
Katharina Zerbe, Klasse 8e der Gutenbergschule, Wiesbaden