„Schüler lesen Zeitung“: Klasse 4c der Grundschule Trebur interviewt einen Redakteur der „Main-Spitze“

Von
Michael Wien
Lädt eine Klasse einen Redakteur ein, bekommt er viele Fragen gestellt. Zumal wenn sie selbst schon für eine spätere Sonderseite unterwegs ist. Zappelig, unkonzentriert? Von wegen. In Jahren keine Klasse, die den Gast schon nach 45 Minuten ziehen ließe, es sei denn, der Stundenplan gebietet das. Auch die 4c fragt munter drauflos und auch ihr gehen nach zwei Schulstunden, unterbrochen bloß von einer Brezelpause, die Fragen nicht aus. Warum ist der Besucher Redakteur geworden? Was macht er da so und wie und wann? Ist er auch als Reporter unterwegs? Wer bestimmt, was in die Zeitung kommt? Was war Thema seiner Lieblingsgeschichte? Wieviele Artikel schreibt er täglich, und fährt er auch ins Ausland?
Auch auf Überraschungen ist er gefasst und dann doch immer wieder verblüfft, wie tief sich die Kinder mit dem Beruf befasst haben. Manches kommt von Lehrern vorbereitet, oft aber zeigt sich persönliches Interesse des Fragestellers. Und nicht selten scheinen da Mädchen oder Jungen schon zu überlegen: „Wär‘ das nicht später was für mich?“
Die 4c fragt ungewöhnlich sozial. Als der Redakteur auf dem Opelix-Foto des Zeitungshauses am Rüsselsheimer Friedensplatz zeigen soll, hinter welchem Fenster er arbeitet, springen ein Dutzend Kinder herbei, um es auch genau zu sehen. Fragen zielen auf Freude, aber auch Fehler, ungeliebte Aufgaben, Stress. Muss jeder auch nachts los? Kaum haben die Kinder heraus, dass ihr Gegenüber an einer Serie über Kinderarmut schreibt, lassen sie sich alles genau berichten. Und zeigen viel Mitgefühl, berichten von Hilfeleistungen ihrer Familien, ohne damit dick zu tun. Spielzeug haben sie abgegeben, Kleidung, Geld für Kinder in Rumänien, der Türkei, der Ukraine, in der Kirche auch was für Arme in noch ferneren Ländern gespendet.
Vorhin haben die Kinder mal gefragt, ob der Redakteur berühmt werden möchte. Bloß nicht, hat er gesagt. „Da muss man viele Autogramme geben und hat keine Ruhe mehr“, hat ihn ein Mädchen sofort verstanden. Und zählt am Ende zu den ersten, die dem Verdutzten ein Autogramm abluchsen. Jungen peilen erst genauer den Marktwert. „Für welchen Fußballverein sind Sie eigentlich?“ Die Antwort treibt den Knaben aus dem Zimmer. „Frankfurt? Oh Gott!“, schlägt er die Hände vors Gesicht. Vielleicht tatsächlich eine Glaubensfrage. „Für Mainz muss man doch sein!“ Soviel steht fest: Der Junge würde 1000 Journalisten-Autogramme gegen eines seiner Fußballgötter tauschen.