Zwei Gutenbergschülerinnen begleiteten die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti einen Tag lang

WIESBADEN Möchten Sie hinter die Kulissen des momentan tobenden Landtagswahlkampfes schauen? Cordelia Marsch und Luka Baumhauer haben die Kandidatin der SPD für das Amt der Ministerpräsidentin, Andrea Ypsilanti, begleitet.
Der Tag mit Andrea Ypsilanti war spannend und voll von Terminen. Anstrengend für die Spitzenkandidatin der hessischen SPD, die schon seit dem frühen Morgen unterwegs war, anstrengend aber auch für uns, die sie begleiteten. Dass sie viel bewegen will, wurde schon bei der ersten Begegnung klar, als es hieß, dass wir uns noch ein wenig gedulden müssten, da sie noch bei einem anderen Termin sei. „Das Interview ist noch nicht ganz fertig!“ – „Flexibilität“, eine Art Zauberwort in der Politik. „Gerade im Wahlkampf steht man unter Druck, und es fällt schwer, bei der ganzen Arbeit und den vielen Terminen, die auf einen zukommen, die Familie nicht zu kurz kommen zu lassen“, so Andrea Ypsilanti. Aber sie gibt sich große Mühe, ihre Familie nicht zu vernachlässigen. Bei den sieben bis acht Terminen am Tag ist das jedoch keine leichte Aufgabe.
Heute ist es ihre Stimme, die ihr zu schaffen macht. Immer wieder verschwindet ein Kräuterbonbon in ihrem Mund. Einen Fehltag kann sie sich in dieser heißen Wahlkampfperiode nicht leisten. Nachdem sie ihre Stimme geölt hat, steht sie uns in einem Interview exklusiv Rede und Antwort.
Andrea Ypsilanti will Gerechtigkeit schaffen. Vor allem liegen ihr die Kinder am Herzen. Sie sollen alle gleiche Bildungschancen bekommen. Deshalb muss das ab letztem Jahr überall in Hessen eingeführte „G8“-Schulsystem ihrer Meinung nach auch schnellstmöglich wieder abgeschafft werden. Bei ihrem Sohn erlebt sie die sich häufenden Probleme jeden Tag. Er muss sich zweimal die Woche zwischen Hausaufgaben und Fußballtraining entscheiden. „So etwas tut keinem Kind gut!“, sagt sie, ganz in der Rolle der Mutter. Geht es nach ihr, soll ein komplett erneuertes, vielfältigeres Schulsystem, mit mehr Psychologen und Pädagogen, die die Lehrer entlasten und Probleme mit den Kindern lösen sollen, geben. Die Schulen sollen ihren eigenen Weg gehen können. Schon in der Grundschule sollen die Kinder den Spaß am Lernen entwickeln. Nach Ypsilantis Meinung sollte der Leistungsdruck hierbei noch im Hintergrund stehen. Es dürfe nicht schon in der vierten Klasse entschieden werden, welchen weiteren Weg der Schulausbildung ein Kind einschlagen werde.
Immer wieder betont Ypsilanti, dass noch viele weitere Veränderungen vorgenommen werden müssen, was auch das Wahlprogramm der SPD widerspiegelt: so zum Beispiel die Abschaffung von Studiengebühren. Sie stellt ihre Argumente je nach Zeitbudget und Veranstaltungstyp knapp oder ausführlich vor. Dabei muss sie die verschiedensten Zielgruppen mit ihren Ideen erreichen und sich immer auf neue Menschen einstellen. An diesem Tag hatte sie mehrere Interviews mit verschiedensten Zeitungen, Wahlkampfveranstaltungen und innenpolitische Besprechungen. Wir durften sie zum Treffen der Sozialdemokraten in der Polizei (SIP) im Landtag begleiten, wo sie sich für neue Konzepte in der Inneren Sicherheit aussprach. Viel Zeit blieb ihr und ihrem Team nicht um von Wiesbaden aus in den Rheingau zu kommen. Dort warteten noch bis spät am Abend viele Termine auf sie: Interviews, ein Besuch bei einem Landtagskandidaten, Einzelgespräche. Um knapp 21.30 Uhr neigte sich ihr Arbeitstag dem Ende zu, unserer auch.
Viele Herausforderungen muss die Politikerin meistern. Dabei auf Platz 1: Dauerstress pur.
Cordelia Marsch und Luka Baumhauer, Klasse 9c der Gutenbergschule, Wiesbaden