Römerkastell-Schüler besuchen Gedenkstätte

Von
Meike Jakobs und
Annalena Artner
Im Rahmen des Projektes besuchten mehrere Klassen des Gymnasiums am Römerkastell die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Osthofen. Vor Ort kam es zu intensiven Gesprächen und regem Meinungsaustausch mit dem Betreuungspersonal der Gedenkstätte. Kaum jemand weiß, dass es in unserer unmittelbaren Umgebung deutliche Spuren aus der nationalsozialistischen Zeit gibt: das Konzentrationslager Osthofen.
„Und da konnten so viele Menschen leben und überleben?“, fragte die 16-jährige Julia bestürzt. Die Antwort gab die kompetente Ansprechpartnerin Kirsten Sander der Gruppe während einer Führung über das Gelände, auf dem auch eine interessante Ausstellung integriert ist.
„Das KZ Osthofen ist eines der frühesten in Deutschland. Unmittelbar nach der Machtergreifung der NSDAP wurde das Konzentrationslager in einer vorherigen Papierfabrik eingerichtet. Dort wurden nur Männer, die einer anderen Partei als der NSDAP angehörten, eingesperrt. Es wurde hier niemand inhaftiert, nur weil er Jude war. Es ging allein um die Ausschaltung der politischen Gegner. Trotzdem wurden Häftlinge jüdischer Abstammung benachteiligt und noch schlechter behandelt als die übrigen Männer. Obwohl in diesem Konzentrationslager niemand ermordet wurde oder gestorben ist, hatten es die inhaftierten Menschen schwer.
„Sie wurden schwersten körperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt, wie zum Beispiel dem stundenlangen Appellstehen bei praller Mittagssonne oder unerträglicher Kälte im Winter. Sie wurden schikaniert, misshandelt, gedemütigt und mussten in einer leeren Halle unter menschenunwürdigen Bedingungen leben“, so die Hinweise während der Führung. Viele der ehemaligen Häftlinge sprechen noch heute von den anhaltenden Folgen. „Ich war sehr betroffen von dem Leidensweg, der den Männern hier widerfahren ist. „, meinte Anton, der seine Meinung im Gästebuch am Ausgang des Gebäudes dokumentierte. Die Schüler waren auch von dem Film bewegt, in dem man sehen konnte, wie Passanten in Osthofen in den achtziger Jahren zu dem Konzentrationslager und der geplanten Gedenkstätte befragt wurden. Viele der älteren Bürger leugneten nach dem Krieg mit voller Überzeugung die Existenz des Lagers oder nahmen gar keine Stellung. Selbst die damaligen Regionalzeitungen berichteten über die Eröffnung des KZ. „Dass die Ignoranz so groß ist, wäre für mich vor diesem Film nicht vorstellbar gewesen, aber das ist wohl auch auf die Zeit, die Scham der Menschen und die Angst um Osthofens Ruf zurückzuführen“, meinte der 16-jährige Markus. Als Fazit stellen die Schüler fest: Die Konfrontation mit der heutigen Gedenkstätte war sehr aufschlussreich; wünschenswert wäre, dass viele Menschen die Gedenkstätte besuchen, um sich mit der damaligen Zeit auseinanderzusetzen.