Show vom Feinsten zum Abschluss von „Schüler lesen Zeitung“ in der Grundschule

Von
Michael Wien
Während sie noch fieberhaft daran arbeiten, nun auch selbst Artikel zu verfassen, wie sie in dieser Ausgabe von der Klasse 3c der Raunheimer Pestalozzischule vorgestellt werden, haben sich die Treburer Mädchen und Jungen auf Darbietungen vorbereitet, die sie gestern unter dem Jubel der Klasse 2a und der Mäusegruppe des Kindergartens „Pusteblume“ ablieferten. Die 2a ist nämlich die Patenklasse der 4a. Und den „Mäusen“ zeigen 4a und 2a bei vielen Gelegenheiten, wie das Leben an dieser Schule funktioniert. Die „Mäuse“ verlieren dabei nicht bloß Hemmungen, ihre Kindergartenkarriere eines nicht mehr fernen Tages an den Nagel zu hängen, sie bekommen richtig Lust darauf, endlich in die Schule zu gehen.
Zeitungen kann man nicht nur lesen und über den Inhalt reden und schreiben – oder Gedichte verfassen, wie sie die 4a zwischendrin dem Publikum vortrug. Aus Zeitungen kann man auch was basteln. Ketten zum Beispiel, wie zwei Kinder der staunenden Menge vorführten, in deren Händen Scheren allerdings noch nicht so gern gesehen werden.
Das aber war nur das Vorspiel zu einer fantastischen Modenschau. Moderatoren präsentierten mit gespielter Ernsthaftigkeit gekonnt Zeitungsmode. Dabei ging es nicht darum, welche Zeitung gerade in Mode ist, sondern wortwörtlich, was Modeschöpfer aus einer gelesenen „Main-Spitze“ noch alles machen können. Hut, Rock, Bluse, Ohrringe, Fächer aus Zeitung führten Mrs. Spring und andere ausgesucht elegante, ziemlich eingebildet umher stolzierende Models vor. Ja und Mr. King, der „König der Mode“, sowie seine ebenso ausgesuchten männlichen Kollegen zeigten, dass der Herr von Welt von der Brille oder Piraten-Augenklappe über den Abendanzug bis zum Feigenblatt ebenfalls Mode aus „Main-Spitze“-Sport- oder Lokalteil tragen sollte, nein muss.
Das Publikum amüsierte sich köstlich über Einfälle und Ausführung, nicht nur wenn hier eine Hose oder dort ein Träger verrutschten, vom fortwährenden Geraschel des Papiers mal ganz abgesehen. Auf die Schenkel schlugen sich die 2a und die „Mäuse“ allerdings über eine völlig verrückte Idee, die höchstens im Welt-Modezentrum Paris Bewunderer finden dürfte: Da erschien ein Wesen, vielleicht ein Mädchen, vielleicht ein Junge, das war nicht mehr zu erkennen, mit total eingewickeltem Kopf. So lebt man gefährlich, stößt leicht an. Nein, sowas wollte niemand im kritischen Publikum auch nur ein Mal tragen.
Die Stimmung schien ihren Höhepunkt erreicht zu haben, doch setzte Astrid Reschke, die Klassenlehrerin der 4a, noch eins drauf. Bevor die Halle besenrein für nachfolgende Klassen gemacht wurde, legte sie Zeitungen auf dem Boden aus. Musik ertönte und alle Kinder flogen tanzend über das Parkett. Wer bei Unterbrechungen der Musik nicht auf Papier stand, musste die Tanzfläche verlassen. Trotz des Wettstreites halfen die Kinder einander, zogen besonders die „Mäuse“ mit, um sie vor dem Ausscheiden zu retten. Vier, acht Kinder standen bald auf einem Doppelblatt. Denn zusehends wurde Papier zerschlissen und abgeräumt. Da bewährte es sich, dass kluge „Mäuse“ auch noch auf dem kleinsten Fitzelchen genügend Platz finden.