INTERVIEW Schüler-Reporter spricht mit Juwi über die Chancen erneuerbarer Energien

WÖRRSTADT. Während in Mainz noch der Bau des Kohlekraftwerkes geplant wird, werden von der Firma Juwi, Wörrstadt, einem Unternehmen für Umwelttechnologie, bereits die Entwicklungen für erneuerbare Energien umgesetzt. Im Rahmen von „Schüler lesen Zeitung“ hat der Schüler Luca Borngässer Peter Glasstetter, Referent für Unternehmenskommunikation bei Juwi, für diese Zeitung interviewt. 

Was halten Sie von dem Beschluss, dass in Mainz ein Kohlekraftwerk gebaut werden soll?
Juwi will natürlich nur die erneuerbaren Energien voran bringen. Mit dem Kohlekraftwerk haben wir selbst nichts zu tun. Wir arbeiten mit den Stadtwerken zusammen, haben mit ihnen auch schon Windräder und Solaranlagen in Mainz realisiert und hätten uns natürlich gefreut, wenn da noch mehr in dieser Richtung laufen würde. Allgemein ist ja bekannt, dass ein Kohlekraftwerk für das Klima sicher nicht das Beste ist.

Nun gibt es den Tesla Road- ster, der schnell ist wie ein Sportwagen, aussieht wie ein Sportwagen, aber im Gegensatz zu einem Sportwagen Strom verbraucht. Im Jahr 2030 soll die Hälfte der deutschen Bevölkerung ein Elektroauto besitzen. Müsste man im Hinblick auf diese Entwicklung nicht langsam damit beginnen, so genannte „Elektrotankstellen“ aufzustellen?
Ja, wir sind da auch dabei. Wir bieten die so genannten Solar-Carports an. Eine gute Möglichkeit, große Parkplätze z.B. vor Einkaufszentren zu überdachen. Diese sorgen nicht nur für Schatten im Sommer, sondern auch für Strom aus erneuerbaren Energien im Tank. Ich weiß, dass die deutsche Autoindustrie gerade dabei ist, die Speichertechnologien zu erforschen, aber es gibt ja noch keine Elektrofahrzeuge, die sich am Markt wirklich etabliert haben. Auf jeden Fall ist das jetzt noch Zukunftsmusik, aber es wird sich relativ einfach realisieren lassen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe, warum die meisten Leute mehr Geld in ein neues Auto investieren als in eine Solaranlage?
Schwer zu sagen. Der Mensch ist ja an sich nicht immer widerspruchsfrei. Die meisten Bürger sind ja für den Klimaschutz. Zudem ist das Auto in Deutschland so eine besondere Sache. In Italien ist es eher ein Fortbewegungsmittel, da regt sich keiner darüber auf, wenn mal eine Delle reinkommt. In Deutschland ist es nun einmal ein Statussymbol, und entsprechend mehr Geld wird investiert. Aber wenn man sich anschaut, wie viele Menschen sich bereits auf ihren Dächern Photovoltaik-Module installiert haben, so hat sich hier einiges getan. Und es werden immer mehr. Von daher kann man nur hoffen, dass sich zukünftig noch mehr Konsumenten für grüne Technologien entscheiden.

Wie kann man die Menschen überzeugen sich eine Solaranlage zu kaufen? Bei den alten Autos gibt es die Abwrackprämie, könnte es eine Umweltprämie geben, wenn man sich eine Solaranlage kauft?
Es gab schon in den vergangenen Jahren Förderprogramme, z.B. das 1 000- bzw. 100 000-Dächer-Programm. Im Moment ist es so, dass der Strom aus Solaranlagen höher vergütet wird als der Strom, den man aus dem Netz bezieht. Das ist ja schon mal ein Anreiz. Aber es wäre sicherlich zu begrüßen gewesen, anstatt CO2-intensive Technologien zu unterstützen, mehr Anreize für Privatpersonen zu bieten, in erneuerbare Energien zu investieren. Vor allen Dingen ist bei Neubauten darauf zu achten, dass ihr Einsatz dort auch Vorschrift wird – und das nicht nur im Wärmebereich. Die solare Architektur mit all ihren Möglichkeiten könnte schon längst Standard sein. Ich denke, da ist in Deutschland noch großer Nachholbedarf.

Ihr Hauptsitz ist in Wörrstadt, sie haben auch eine Niederlassung in Berlin und Brandis. Dort betreiben Sie auch den Energiepark Waldpolenz. Wo sind Sie im Ausland tätig?
Wir sind nicht nur in Deutschland tätig, wir haben auch in Frankreich, Spanien und Italien Niederlassungen. In Osteuropa sind wir aktiv in Polen und in der Tschechischen Republik. In Griechenland haben wir eine Niederlassung für Solarenergie, dann sind wir in Amerika, Kanada und Costa Rica tätig, und es gibt auch ein Projekt in Argentinien. Ebenfalls haben wir im Rahmen der „Grenzen durch-brechen-Kampagne“ Solaranlagen realisiert. Mit dieser Kampagne haben wir ein Kinderheim in Indien und zwei Krankenhäuser, in Ruanda und in Peru, mit erneuerbarer Solarenergie versorgt.
Das Gespräch führte Luca Borngässer, Schüler der Klasse 8 a des Gymnasiums Nieder-Olm