SV Wehen Wiesbaden: Vom Dorfverein zum Zweitligisten

WIESBADEN Endlich ist auch Wiesbaden eine „richtige Fußball-Stadt“ mit einer Mannschaft in der Zweiten Bundesliga, einem Stadion, bekannten Spielern und allem Fanrummel, der dazu gehört. Zu verdanken hat die Landeshauptstadt das einem kleinen Dorfverein aus Wehen. Aber wie hat der SV Wehen Wiesbaden diesen Aufstieg finanziert und sich dabei auch noch so gut vermarktet?
9 000 Zuschauer pro Spiel
„Anfang 2000 hatten wir oft keine 600 Zuschauer auf dem Halberg“, sagte Sascha Amstätter, Spieler des SVWW, gegenüber dem „SVWW-Kurier“. Bei den Besucherzahlen wird der Aufschwung besonders deutlich, denn der Zuschauerdurchschnitt ist seit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga von 850 Besuchern auf 9000 pro Spiel gestiegen. Wenn man von den Begegnungen in der „Commerzbank Arena“ absieht, haben seit der Eröffnung der Brita-Arena im Schnitt sogar mehr als 10000 Leute die Spiele des SVWW besucht. „Wiesbaden hat auf den Profifußball gewartet“, erklärt Marketing- und Vertriebsleiter Thorsten Rittersberger den plötzlichen Auftrieb.
Trotzdem hat der Vorstand Bedenken, dass diese Zahlen zurückgehen werden. Denn bisher hat man gegen große Vereine wie Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach gespielt, sobald aber Begegnungen mit kleineren Vereinen anstehen, müsse man mit weniger Zuschauern rechnen. Ein erstes Indiz dafür könne das Spiel gegen Koblenz gewesen sein, bei dem abgesehen von der Nordtribüne beinahe Zuschauerflaute geherrscht habe. „Deshalb muss in dieser Hinsicht auch noch einiges getan werden“, ergänzt der Marketing-Leiter des Vereins.
Aber so ein Aufstieg finanziert sich ja nicht von selbst. Auch hier gibt es einige wissenswerte Punkte: Die größte Unterstützung erhält dieser Club – wie auch alle anderen Vereine – seitens der Deutschen Fußballliga (DFL) und aus Fernsehverträgen. Auch die Stadt Wiesbaden selbst spielt eine große Rolle für die Bereitstellung finanzieller Mittel. Sie profitiert ja ebenfalls durch den Aufstieg, denn es gibt kaum einen größeren Image-Gewinn, wenn eine Stadt Aufmerksamkeit in den Medien bekommt. Sportliche Erfolge kommen immer gut an: Wiesbaden – eine Gewinnerstadt.
Eine wichtige Komponente stellen auch die Sponsoren dar. Auch bei Profivereinen wechseln diese oft – auch beim SV Wehen hat es einige Veränderungen gegeben: „Victor’s“ hat Brita als Sponsor auf dem Brustteil des Trikots abgelöst, dafür hat der Wasserfilter-Hersteller das Sponsoring der Arena übernommen. Doch nicht nur Brita hat seine Banner im Stadion hängen. Das hr1-Logo ziert zum Beispiel die komplette Nordtribüne, um durch Werbeeinnahmen Geld herein zu holen, während für die gegenüberliegende Südtribüne noch ein Sponsor gesucht wird, da diese noch von einem leeren tristen Grau geprägt wird. Interessant ist auch die Abstufung der Sponsoren: Ganz oben auf der Liste stehen die „Exklusiv Partner“ – Brita, Victor’s und Nike. Die restlichen teilen sich in Premium-, Business- und Regio-Partner auf – je nach dem, welche Summen sie zahlen.
Suche nach Sponsoren
„Was die Zukunft des SV Wehen Wiesbaden betrifft, möchten wir uns in erster Linie in der Zweiten Bundesliga etablieren. Wenn man sich erst mal einen Namen erspielt hat, kommen auch die Sponsoren“, erläutert Marketingchef Rittersberger. „Auch in Sachen Stadion müssen wir sehen, wo es hin geht – Auf- oder Abstieg.“ Fakt ist, dass die Sponsoren beim SV Wehen noch nicht Schlange stehen, aber mit den vorhandenen arbeite man Hand in Hand.
Hinsichtlich der Vermarktung möchte der Verein sich ebenfalls verbessern. Dabei wird neuerdings das Thema „Merchandising“ diskutiert. Mit einem Online-Shop hat man bereits den ersten Schritt in diese Richtung gemacht. In Taunusstein gibt es sogar schon zwei Fan-Shops, der Verein ist nun auch mit den Betreibern der Sportarena in Verhandlungen. Der Verkauf vor dem Stadion kommt bei den Fans gut an, wirkt aber improvisiert. Vielleicht wagt darüber hinaus schon jetzt den Sprung ins kalte Wasser und startet auch einen Verkauf außerhalb des eigentlichen „Wehen-Fan-Gebiets“. Das Ziel des Vereins ist es auf jeden Fall, irgendwann in ganz Deutschland bekannt zu sein. Oder eventuell sogar einmal international. . .
Maximilian Graf, Johannes Müller, Sami Maazouzi und Yannick Petschko, Klasse 9c der Gutenbergschule, Wiesbaden