Neunte Klasse des Gutenberg-Gymnasiums sammelt bereits eigene Erfahrungen als Reporter

Von
Julia Anderton
Es ist nicht immer leicht, die Meinungen von Jugendlichen unter einen Hut zu kriegen – doch im Fall ihrer Lieblingsseiten sind sich die Gutenberg-Schüler der 9c, die unter Leitung ihres Lehrers Holger Stunz an „Schüler lesen Zeitung“ teilnehmen, überraschend einig: Magazin, Sport und Titelseite sind die interessantesten Seiten, bei einigen können zudem Lokalteil und Politik punkten. Hauptsache, die Überschriften sind gleichermaßen informativ wie witzig – weil sie sowohl der schnellen Orientierung dienen als auch zum Weiterlesen verlocken. „Und die kurzen Meldungen lese ich überall gern, wenn sie genug Inhalt haben“, erklärt eine Schülerin.
Dass es nicht unbedingt einfach ist, diese Kriterien zu erfüllen, haben die Neuntklässler bereits ansatzweise erfahren: Aufgeteilt in zehn Gruppen betreiben die Teenager aufwendige Recherchen zu völlig unterschiedlichen Themen und werden hierzu eigene Artikel verfassen, die anschließend wie eine Klassenarbeit benotet werden.
Beim Unterrichtsbesuch von Kurier-Redakteurin Julia Anderton stellten die Schüler ihre Projekte in kurzen Präsentationen vor – und zeigten dabei eine Bandbreite, die jeder Lokalredaktion Ehre macht: So begleitet ein Team die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti einen Tag lang auf ihrer Wahlkampftour durch Hessen, ein anderes unterhält sich mit der Landtagsabgeordneten Marion Petri (CDU) über Angebote für Jugendliche in der Stadt, während eine weitere Gruppe sich mit dem „Luisenforum“ befasst, indem sie sowohl Passanten als auch Einzelhandelsverband nach Sinn und Zweck eines weiteren Einkaufszentrums befragten.
Zum Thema Gymnasialzeitverkürzung G8 werden betroffene Unterstufenschüler sowie Lehrer zu den Aspekten Schuldruck, Freizeitverlust und Lernerfolg interviewt, ein anderes Team widmet sich unter dem Motto „Warum um Geld spielen?“ der Spielbank. Sportlich geht es bei den drei Gruppen zu, die das Sportmarketing des SVWW, den Aufstieg des VCW sowie das neue Brita-Stadion thematisieren: bei Letzterem wollen die Schüler sowohl mit Fans als auch mit Anwohnern sprechen, um die Situation von verschiedenen Seiten darzustellen.
Die Jugendhilfeeinrichtungen sowie das Freizeitangebot in Wiesbaden für junge Leute mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten stellt für andere Schüler die Rechercheaufgabe dar, während sich ein Mädchen-Team mit der Aktion „Schüler lesen Zeitung“ selbst auseinander setzt.
Erste Bilanz steht bereits
Eine erste Bilanz gibt es bereits: „Unsere Klasse findet dieses Projekt wirklich gut, weil es eine Abwechslung vom `normalen Unterricht` ist und man sonst nicht so viel Berührung mit Zeitungen hat. Die Gruppenarbeit war anfangs recht chaotisch, doch mittlerweile hat sich ein gutes Arbeitsklima in den `Redaktionskonferenzen` entwickelt“, schreiben Anna, Marlene und Lisa (alle 14 Jahre alt).
Zum Schluss der Stunde nutzten die Schüler die Gelegenheit, ihren Unterrichtsbesuch mit Fragen zur Journalisten-Ausbildung und vor allem über den Redaktionsalltag zu löchern: „Wie lange dauert es durchschnittlich von der Recherche bis zum fertigen Artikel?“ und „Muss man als Reporter tatsächlich immer vor Ort fahren?“ All das werden die Jugendlichen in den nächsten Wochen selbst erfahren, denn dann wird die Theorie in die Praxis umgesetzt.