DRILLINGE Schülerin interviewt Anette Ebert zu ihrem Leben mit zwei gleichaltrigen Schwestern

BODENHEIM. Sie lesen leidenschaftlich gerne die Zeitung und schreiben ebenso leidenschaftlich: die Jugendlichen, die am Projekt „Schüler lesen Zeitung“ teilnehmen, das diese Zeitung gemeinsam mit den Projektpartnern umsetzt, werden selbst zu Reportern. Das folgende Interview hat die Bodenheimerin Linda Sonntag mit Anette Ebert geführt, die als Drilling durchs Leben geht und von der besonderen Beziehung zu ihren Schwestern erzählt.

INTERVIEW
Frau Ebert, wie ist es für Sie gewesen mit zwei Schwestern, die genau wie Sie sind, aufzuwachsen?
Für mich sind es noch heute schöne Erinnerungen an meine Kindheit. Die Gedanken und Gefühle waren identisch, oft brauchten wir keine Worte zur Verständigung und äußerlich waren wir auch ziemlich ähnlich.
Gab es oft Streit?
Wir stritten uns seltener als andere Geschwister, versöhnten uns auch nach einem Streit schneller und waren nicht nachtragend.
Wurden Sie auch des Öfteren von der eigenen Mutter vertauscht, oder ist das nur ganz selten passiert?
Meiner Mutter ist das nie passiert. Sie wusste uns stets zu unterscheiden. Am Anfang trugen wir Bändchen zur Unterscheidung, danach unterschied sie uns an bestimmten Merkmalen.
Wie fanden Ihre Freunde das, dass Sie ein Drilling sind?
Unsere Freunde empfanden es immer als etwas Besonderes und beobachteten uns deshalb immer ganz aufmerksam.
Haben Sie manchmal einen Streich gespielt und es dann einfach auf eine der beiden Schwestern geschoben?
Diese Streiche haben wir nie gespielt, wir haben uns nur die Hausaufgaben aufgeteilt, sodass wir schneller spielen konnten.
Hatten Sie schon mal eine schlimme Krankheit, wenn ja ist es für Sie in Ordnung darüber zu reden?
Ja ich selbst war 2014 an Krebs erkrankt.
Was haben Ihre Schwestern zu Ihrer Erkrankung gesagt?
Meine Schwestern waren sehr betroffen, als sie von meiner Erkrankung erfuhren. Von da an telefonierten wir sehr oft miteinander, weil sie immer auf dem Laufenden sein wollten, mir immer wieder Mut machten und mich mit Informationen über alternative Heilmethoden und Lesestoff zum Thema Krebs überhäuften.
Haben Sie sich jemals benachteiligt gefühlt, weil sie ein Drilling sind?
Benachteiligt nicht, eher bereichert. Meine Schwestern waren auch gleichzeitig meine Freundinnen, hatten gleichen Interessen und Vorlieben.
Wusste Ihre Mutter schon länger vor der Geburt, dass sie Drillinge erwartet?
Meine Mutter wusste bis zur Geburt nicht, dass sie Drillinge erwartet. Vielmehr wurde sie vom Arzt während der Schwangerschaft informiert, dass es wohl ein schwerer Junge werden wird. Wir wogen 1950 Gramm, 1820 Gramm und 1550 Gramm. Ich war die Schwerste und die Letztgeborene. Unser gemeinsamer Geburtstag ist am 2. April 1970.
Haben Sie sich alle ein Zimmer geteilt, oder hatte jeder ein eigenes?
Als wir Kleinkinder waren teilten wir uns ein großes Zimmer. Die Betten standen jedoch nebeneinander, deshalb kletterten wir oft von einem Bett in das andere, spielten dort und schliefen nebeneinander ein. Später bekam jedes Kind ein eigenes Zimmer.
Haben Sie noch andere Geschwister?
Ich habe noch eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder.
Sind die Gefühle zu ihren Drillingsschwestern stärker als zu Ihren anderen Geschwistern?
Die Gefühle und die Verbindung zu meinen Drillingsschwestern waren immer stärker und werden immer stärker
bleiben.
Hatten Sie die gleichen Hobbys?
Ja, die Hobbys waren identisch, da gab es keine Unterschiede. Sobald das Interesse für ein Hobby nachließ, beendeten wir es gleichzeitig und ebenso begannen wir ein neues Hobby auszuprobieren.
Hatte jede ihre Stärken und Schwächen oder können sie alle das Gleiche gut?
In der Kindheit gab es schon Unterschiede bei den Stärken und Schwächen, doch insgesamt haben wir uns ergänzt. Erst durch die Trennung nach der Schulzeit hat sich jede für sich weiterentwickelt. Im Endeffekt wäre es eigentlich schlauer gewesen uns nicht alle in die gleiche Klasse zu stecken, da wir von Anfang an etwas selbstständiger gewesen wären. Jeder einzelne von uns hatte seine Aufgabe, ich zum Beispiel konnte am besten mit Geld umgehen und habe den anderen damit geholfen. Wenn ich mein Eisgeld nicht ausgegeben habe, dann haben meine Schwestern es mir gleich getan. Die Stärken und Schwächen sind heute trotz unterschiedlicher Berufe sehr
ähnlich.
Man hört ja oft von Zwillingen, die es spüren, wenn es dem anderen nicht gut geht ohne in der Nähe zu sein. Haben Sie das auch gemerkt?
Die Erfahrung habe ich nicht gemacht, wir konnten nur die Gedanken des anderen lesen, wenn er uns gegenüber stand.
Hatten Sie die gleichen Freunde wie ihre Drillingsschwestern?
Wir hatten schon gemeinsame Freunde, doch am liebsten verbrachten wir die Zeit mit uns. Die eigenen Freundinnen hatten nie den gleichen Stellenwert.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass ich genauso alt werde wie meine Schwestern. Ohne sie würde mir etwas fehlen.

Das Interview führte Linda Sonntag.