Erinnerungen an Schüleraustausch zwischen Wiesbaden und St. Etienne

WIESBADEN Eine Reise, die jedem, der dabei war, für immer im Gedächtnis bleiben wird. Am 13. November 2006 fuhr eine Gruppe von 25 Schülern der IGS-Kastellstraße Wiesbaden aus dem 8. und 9. Jahrgang nach St. Etienne in Frankreich. Nach der knapp zehnstündigen Busreise, die um 7.30 Uhr morgens begann, wurden alle in ihre Gastfamilien eingeteilt. „Als ich bei der Gastfamilie einzog, war ich sehr überrascht. Die Familie hatte zwar eine sehr kleine Wohnung, aber sie war sehr schön eingerichtet“, berichtet Eike M., ein Schüler aus Deutschland.
Die deutschen Schüler kamen in zwei verschiedene Schulen und an zwei Tagen gingen sie in französischen Unterricht. Die Schule, die er besuchte, war wie ein Gefängnis. Das Tor wurde um punkt acht Uhr morgens von dem Direktor geschlossen, damit die Schüler nicht mehr heraus konnten und es ging erst wieder zur Mittagspause auf, in der die Schüler nach Hause gehen konnten, um zu essen. Am Ende der Pausen mussten sich die Schüler geordnet in einer Reihe vor die Tür stellen, die keine Türklinke von außen hatte. Wenn dies geschehen war, kam ihr Lehrer, um sie hereinzulassen. Bevor die Schüler in die Klassenräume gehen konnten, mussten sie sich abermals in einer Reihe vor dem Klassenraum aufstellen. Das ist noch genauso wie in Deutschland vor 40 Jahren, mit dem Unterschied, dass vor den Klassenzimmerfenstern in Frankreich Eisengitter sind.
Die Schüler hatten insgesamt bis 17 Uhr Schule, bekamen dafür aber keine Hausaufgaben auf. Alle sagten, dass es eine gute Erfahrung war, einmal französischsprachigen Unterricht mitmachen zu dürfen. Ihnen ist aufgefallen, dass die französischen Lehrer um einiges strenger sind, als die deutschen.
Es wurden zwei Projekte gemacht. Das Kunstprojekt, in dem verschiedene Gegenstände aus Deutschland mit französischen verbunden wurden. Und das Musikprojekt, in dem zwei Lieder, ein deutsches und ein französisches eingeübt wurden.
Am Wochenende ist Eike mit seinem Korrespondenten Nicola und einigen anderen zum Schlittschuhlaufen gegangen. Danach in den deutschen Kinofilm „Kebab Connection“, der mit französischen Untertiteln versehen war. Am Tag davor ging er zusammen mit einem deutschen Freund und dessen Korrespondenten zu einem Fußballspiel im Stadion von St. Etienne. Circa 85 Prozent der Zuschauer waren für die Mannschaft von St. Etienne, die anderen für die gegnerische Mannschaft aus Nizza. Am Schluss endete das Spiel St. Etienne gegen Nizza 2:1.
An zwei Tagen sind die Schüler Berge emporgeklettert, um den „schönen Ausblick“ zu genießen, was aber niemand nachvollziehen konnte. An einem der letzten Tage machten sie einen Ausflug durch einen Wald. Ihr Lehrer Herr B. führte sie bei strömendem Regen kilometerweit durch den Wald und alle waren pitschnass, als sie am Ziel, einem kleinen Gasthaus, angekommen waren. Am letzten Tag gingen viele zu einem Lasergame, in dem es darum ging, mit einem Laserprinter einen bestimmten, durch Lichter markierten Punkt zu treffen.
Insgesamt dauerte die Reise zehn Tage. Als die Heimfahrt angetreten werden musste, waren alle traurig, weil sie ihre neuen französischen Freunde verlassen mussten. Aber wenigstens die Rückfahrt war vergnüglich, alle sangen und lachten und selbst der Gedanke, am nächsten Tag in die Schule gehen zu müssen, wurde mit Humor genommen.
Eike Mann, Klasse 8a der IGS-Kastellstraße, Wiesbaden