Anklage wegen versuchten Ladendiebstahls und Körperverletzung

WIESBADEN. Die Klasse 8c der Helene-Lange-Schule simulierte im Oktober ein Jugendschöffengericht. Der Rechtsanwalt Matthias Reinbacher wurde eingeladen, um einen fiktive Verhandlung in einem Jugendgericht nachzuspielen.
Das Zuschauen in einem echten Jugendgericht ist aufgrund von Schutzbestimmungen nicht möglich. Bei der Simulation bekam die Klasse einen guten Einblick, wie es bei einer Verhandlung abläuft. Staatsanwalt, Schöffen, Rechtsanwalt (Verteidiger), Angeklagter, Eltern, Opfer und Zeugen wurden jeweils von Schülern gespielt, die ihre Rolle zuvor eingeübt hatten.
So ging es los: Die Schöffen legten ihren Eid ab und die Anklage wurde verlesen. Der angeklagte Jugendliche soll in einem Kaufhaus versucht haben, ein paar Hefte zu stehlen, wurde aber von dem Kaufhausdetektiv erwischt. Schnell habe er die Hefte weggeworfen und sei dann aus dem Kaufhaus gerannt. Dabei rempelte er aber eine alte Dame um, die daraufhin gestürzt sei und sich verletzt habe. Der Jugendliche bestritt den Tathergang, sagte aus, dass er ja nur seinen Bus erreichen und auf keinen Fall die alte Dame habe verletzen wollen. Er war auch bereit, sich bei ihr zu entschuldigen. Nachdem der 15-jährige Angeklagte ausgesagt hatte, wurden die Zeugen vernommen: der Kaufhausdetektiv, die Polizeibeamtin, das Opfer, die Jugendgerichtshelferin und die Eltern des Angeklagten. Der Kaufhausdetektiv meinte, dass der Angeklagte auf jeden Fall die Absicht gehabt habe, die Hefte zu stehlen und die alte Dame zeigte sich erschüttert über die Brutalität der Jugendlichen heutzutage. Staatsanwalt und Rechtsanwalt hielten ihre Plädoyers. Beide forderten für den Angeklagten Sozialstunden in einem Altenheim.
Nach Beratung mit seinem Anwalt legte der Angeklagte doch ein Geständnis ab und erzählte, dass er wirklich vorgehabt habe, die Hefte zu stehlen. Er wolle zu einer coolen Gang dazugehören und als Mutprobe habe er die Hefte stehlen sollen. Doch als er den Kaufhausdetektiv bemerkte, sei er aus dem Kaufhaus gestürmt, wobei er „versehentlich die alte Dame anrempelte“. Das Gericht verkündete anschließend das Urteil: Der Angeklagte soll Strafstunden in einer sozialen Einrichtung abarbeiten. Das Urteil wurde vermindert, weil der Jugendliche gestanden hat. Es war, auch wenn es nur nachgespielt war, eine lehrreiche Verhandlung.
Hannah Krüger, 8c der Helene-Lange-Schule