Schrecklicher Amoklauf ist auch an der Europaschule in Taunusstein Thema / Viele Fragen, wenig Antworten

TAUNUSSTEIN (haw). Seit Mitte Februar lesen die Schüler der Klasse 8r an der Europaschule in Neuhof den Aar-Bote. Sechs Wochen lang bekommen sie ihn im Rahmen des Projekts „Schüler lesen Zeitung“ täglich auf den Tisch.
Aktuell informiert waren sie deshalb auch über den schrecklichen Amoklauf im baden-württembergischen Winnenden. Das Thema wurde natürlich nicht nur in den Pausen, sondern auch im Unterricht intensiv diskutiert. Grund genug für die Schüler, selbst Beiträge über die Auseinandersetzung mit den Geschehnissen zu verfassen, die wir im Folgenden veröffentlichen.
Laura Sass und Chiara Hardt schreiben dazu: „Auch an unserer Schule sprach es sich schnell rum, was sich vor einigen Tagen in Winnenden abspielte. In den Pausen wurde darüber geredet und sogar im Unterricht wurde das schwierige Thema „Amoklauf und Gewalt“ angesprochen. Wie kam es dazu? Wusste Tim K. überhaupt, was er da tat? Viele Fragen, wenige Antworten.
Auch an unserer noch nicht sehr großen Schule in Neuhof, die bei dem Projekt „Schüler lesen Zeitung“ dieser Zeitung mitmacht, lesen wir viel über den Amoklauf und sprechen offen, schockiert, ängstlich und nervös darüber. Viele junge Schüler an unserer Schule haben natürlich auch Angst, dass so was auch an unserer Schule passieren könnte. Wir Schüler aus der 8r hatten ein Buch zu diesem Thema gelesen, und sind davon überzeugt, dass das Verhältnis von Lehrern zu Schülern besser werden müsste, damit so was nicht mehr passiert. Denn wenn man erst mal ein gutes Verhältnis zu den Lehrern hat und offen über seine Probleme spricht, werden auch bald sicher die Mitschüler einen respektieren und helfen.“
Auch C. Presber und Johannes B. Rühlhaben sich mit der Medienpräsenz in Zeiten des Amoklaufs beschäftigt. Hier ihr Beitrag: „In unserer Klasse waren wir alle sehr betroffen, als wir von dem Amoklauf hörten. Wir sprachen mit unserer Deutschlehrerin Karin Nikolaus darüber, und mehr als die Hälfte unserer Mitschüler findet es zu viel, dass der Amoklauf in der Presse so viel Raum einnimmt.
Wir haben uns unterhalten, wie wir die Rolle der Medien beurteilen. Wir haben Bedenken, dass es auch an jeder Schule passieren könnte oder noch mehr Trittbrettfahrer anlockt. Durch die vielen Medien wird die Angst verstärkt. Wir empfinden trotz unserer Ängste Trauer um die Opfer und Mitleid für die Hinterbliebenen. Es gibt aber auch Mitschüler, die finden, dass das Thema zu wichtig ist, als dass man zur Tagesordnung übergehen kann. Sie meinen, dass die Leser aufgeklärt werden müssen. Die Wirkung der Presse wird bei uns in der Klasse somit verschieden beurteilt.
Marie Behrendt und Vanessa Daugaard schreiben zum gleichen Thema: „Wir finden es sehr schrecklich und uns fehlen die Worte. Man ist traurig und wütend und dennoch ist man tief betroffen von dieser schrecklichen Tat. Was uns sehr schockt ist die Tatsache, dass der Amokläufer unschuldige Passanten auf seiner Flucht erschossen hat und die beiden Angestellten eines Autohauses, in das er eingebrochen war. Wir haben jetzt selbst (große) Angst in die Schule zu gehen!
Wir hatten uns schon mit dem Thema befasst gehabt, bevor diese schreckliche Tat passierte. Indem wir das Buch „Ich knall euch ab!“ von Morton Rhue gelesen haben. In dem Buch geht es um zwei Jungs, die einen Amok geplant und durchgeführt haben. Daher wissen wir auch, was in Tim K. möglicherweise vorgegangen ist. Seit wir dieses Buch gelesen haben, sehen wir den Vorfall aus einer anderen Sicht. In Gedenken an die vielen toten unschuldigen Passanten, Schüler und Lehrer haben wir diesen Leserbrief verfasst.