Gegen Rassismus und Diskriminierung

Von
Christine Gerhard
ALZEY Leider sind solche Situationen nicht selten: Ein Mitschüler oder Arbeitskollege wird verbal attackiert, an der Bushaltestelle kommt es zu Handgreiflichkeiten gegenüber einem besonders jungen oder alten Mitfahrer. Doch wer bringt den Mut auf, sich in derartige Vorfälle einzumischen und den Angegriffenen in Schutz zu nehmen?
Die Anwendung von Zivilcourage erfordert eine Menge Tapferkeit und psychischer Stärke, und Einsatz ohne Rücksicht auf das eigene Wohl. Kurt Tucholsky, ein bekannter Journalist und Schriftsteller, stimmte dem zu, als er 1921 äußerte: „Nichts erfordert mehr Mut und Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“
Es gibt eine Organisation, die die Bereitschaft zu helfen vor allem in Schülerkreisen stärken will. Den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, abgekürzt SOR-SMC, erwarb unter anderen das Gymnasium am Römerkastell Alzey durch Unterschriften der Mehrzahl aller Schüler, die sich somit verpflichteten, sich künftig aktiv gegen jede Form von Rassismus einzusetzen.
Unterschriften von mehr als 70 Prozent aller, die an der jeweiligen Schule lernen oder lehren, sind nötig, um den Titel zu erlangen. Mit dem Titel, der dem Gymnasium am Römerkastell am 8. November 2002 in Form eines großen bronzefarbenen Schilds überreicht wurde, übernahmen die Schulleitung sowie Personal und Schüler die Verantwortung für das Schulklima und das des näheren Umfelds.
Nicht nur den Rassismus gilt es durch die SOR-SMC zu bekämpfen. Des Weiteren soll gegen die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der körperlichen Merkmale wie der politischen und sexuellen Orientierung vorgegangen werden. Im Übrigen erklärte sich die Schule mit Übergabe des Titels zu regelmäßigen Projekttagen zum Thema Diskriminierung bereit.
Bisher gibt es deutschlandweit insgesamt 428 SOR-SMC-Schulen, in Rheinland-Pfalz sind es elf. Auch Prominente setzen sich – als Paten – für das Projekt ein, wie beispielsweise Bela B., Musiker der Rockgruppe „Die Ärzte“, Iris Berben, Herbert Grönemeyer, Hape Kerkeling und viele weitere. Doris Ahnen, Ministerin für Jugend, Frauen und Bildung unterstützt die Organisation speziell an der Alzeyer Patenschule am Gymnasium am Römerkastell. Zusammen mit den anderen Paten hilft sie, „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ als parteiunabhängiges und nachhaltig erfolgreiches Netzwerk der Menschenrechtsarbeit in ganz Deutschland zu verankern. Zwar werden die SOR – SMC-Schulen keinen Menschen zu mehr Mut bewegen können, doch sie zeigen, dass wir im Kampf gegen den Rassismus und den Bemühungen für die Zivilcourage nicht alleine stehen und dass die Gemeinschaft uns stärkt.