Humorvolle Eröffnungsfeier für „Schüler lesen Zeitung“ in der Kantschule

Von
Michael Wien
Eine Überraschung wartete gestern auf alle Kant-Schüler. Wer nicht schon beim Anmarsch die Hinweiszettel auf den Eingangstüren entdeckt hatte, merkte im Foyer der Schule, dass dies kein gewöhnlicher Schultag war. Erst recht war er das nicht für fünf der sechs achten Klassen. Sie starteten gestern in das Projekt „Schüler lesen Zeitung“. Und die 8 LF2 hatte das Foyer derart radikal umgestaltet, dass viele verdutzt stehen blieben.
Fast jeder verfügbare Platz ist mit Zeitungen tapeziert. Von der Decke hängend oder auf Schaukästen postiert grüßen Schiffe und ein Flieger aus Zeitungspapier, der so groß ist, dass die Flügel mit viel Karton stabilisiert werden mussten. Im Unterricht, aber auch in ihrer Freizeit hatten die 13- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler das alles vorbereitet, dazu noch Zeitungsmännchen ausgeschnitten und an die Mensa-Tür geklebt.
An Material hatte es schon vor Beginn der Lieferung, die sechs Wochen jedem täglich sein persönliches Exemplar in die Schule bringt, nicht gemangelt: Eine Mitschülerin koreanischer Abstammung stiftete Exemplare aus dem Land ihrer Vorfahren, ein Englisch-Lehrer brachte aus seinem Fundus Exemplare eines englischsprachigen Blattes mit.
Auf diese Zeitungstapete, die unter anderem eine ehemals langweilige, schmutzigbraune Holzwand zum Anziehungspunkt werden lässt, haben die Jugendlichen ungezählte Sprüche geheftet. Witzige, nachdenklich stimmende, solche berühmter Literaten – frech umgetextet oder im Original – und pfiffige eigene. An den Kant-Schülern, die nicht am sechswöchigen Intensivkurs teilnehmen, ist es nun, genauer zu ergründen, was da unter dem gemeinsamen Dach in gleich fünf Klassen passiert. Frei nach einem der Sprüche auf der Wand: Drum lese nun, wer lesen kann, der andere schaut sich Bilder an.
Über die vier, fünf Jugendlichen hinaus, die mit dem Gedanken spielen, eines Tages selbst Journalisten zu werden, waren schon gestern alle Jugendlichen derart aufgekratzt, dass die Redaktion ihren eigenen Artikeln mit Spannung entgegensieht. Denn nachdem sie sich intensiv und kritisch mit dem Medium und den hier verwandten Techniken und Stilmitteln befasst haben, werden sie im Anschluss an die Herbstferien wie stets bei „Schüler lesen Zeitung“ auch eigene Beiträge verfassen, die hier abgedruckt werden. Mit den gestern gestellten Fragen an den Redakteur bewiesen sie bereits das notwendige Reporter-Geschick.
Dass die Hälfte der 140 teilnehmenden Kantschüler wegen ihres Sportunterrichtes die Eröffnung verpassten, fanden alle schade. Dass die übrigen Kantschüler offenbar der Versuchung widerstehen, den liebevoll angebrachten Zeitungsschmuck im Foyer zu zerfleddern, ist aller Achtung wert. Übrigens sind die 140 Kantianer nicht die einzigen, die jetzt von diesem Projekt profitieren. Gerhart-Hauptmann-, Planck- und Mittelpunktschule Trebur sind mit von der Partie.