Schüler entdecken den Journalisten in sich und schreiben eigene Artikel

Das Projekt ist praktisch an jeder Schule durchführbar. Schülergruppen aller Altersklassen können daran teilnehmen, meist geschieht dies klassenweise. Am Anfang haben wir uns mit der Tageszeitung, ihrem Aufbau und der Analyse einzelner Artikel befasst. Danach widmeten wir uns dem Schreiben eines Artikels. Zuerst versuchten wir ein passendes Thema zu finden. War dies einmal geschehen, fingen wir an zu recherchieren und Informationen zu sammeln. Unser Team führte beispielsweise Interviews und Umfragen innerhalb der Klasse. Dann musste ein Artikel – klar verständlich und stilistisch gut geschrieben – verfasst werden. Was jedoch am Anfang keinem der Schüler klar war, ein für sie „fertig“ erscheinender Artikel wird noch etliche Male überarbeitet und korrigiert. Erst nach diesem Schritt dürfen die fleißigen Journalistinnen und Journalisten darauf hoffen, dass ihre Arbeit auch in der Zeitung veröffentlich wird.
Das Projekt wurde 1991 mit der Hoffnung, das Zeitunglesen unter Jugendlichen zu verbreiten und zu fördern ins Leben gerufen. Im Jahr 2005 wurde es wieder neu aufgerollt, in einigen Punkten geändert und der heutigen Zeit angepasst. Finanziert wird das ganze durch die Verlagsgruppe Rhein Main (VRM), in der der Kurier erscheint, die Fraport AG und dem Papierhersteller Norske Skog. Das Medienpädagogische Fachinstitut Promedia aus Alsdorf in Nordrhein-Westfalen kam auf die Idee, ein solches Projekt anzubieten und begleitet es auch.
Jedoch all diese Informationen sind nicht so relevant, wenn man nicht weiß, was sich in der Klasse 9c der Gutenbergschule abspielte: Rauchende Köpfe hier, in Zeitungsartikel vertiefte Schüler da. In der einen Gruppe herrscht wohl noch Uneinigkeit, wobei in jener anderen der Artikel schon fast fertig zu sein scheint. Um die noch offenen Fragen zu klären, wie das Projekt bei den Schülern ankam und wie die Gruppenarbeit funktionierte, haben wir einige Interviews in der Klasse gemacht. Denn anfangs als die Recherche für die Artikel noch recht schleppend anlief, bekamen wir folgende Antwort: „Hmm, ja das Projekt ist schon gut, aber wir kommen nicht richtig voran…“ Doch schon kurze Zeit später waren alle Beteiligten von den neuen Aufgaben begeistert: „Selber journalistische Recherchen machen und sogar richtige Interviews mit Promis wie Andrea Ypsilanti führen, macht einen Riesenspaß!“ So wurden aus den chaotisch zusammen gewürfelten Gruppen Journalisten-Teams, die zusammen Schauplätze wie die Spielbank, oder die Brita-Arena besichtigten und dazu ihre Artikel schrieben. Die Gruppe, welche über das neue Brita-Stadion recherchierte, ging zum Beispiel für Fan-Befragungen (natürlich aus rein journalistischen Gründen) zu einem Spiel des SV Wehen Wiesbaden. Sie wollten die Stimmung im Stadion live erleben und mitbekommen, wie die Zuschauer und ihr Umfeld auf das neue Stadion reagieren.
Grundsätzlich sind wir uns aber alle einig, dass der etwas „andere Unterricht“ eine gelungene Abwechslung zum normalen Schulstoff bietet, und können dieses Projekt nur weiterempfehlen. Das Interesse am Zeitunglesen ist in der Klasse durch dieses Projekt geweckt worden, und durch die eigenen Schreib- Erfahrungen schauen wir uns die Artikel sehr viel kritischer an als vorher.
Marlene Czichos, Anna Heger und Lisa Veuhoff, Klasse 9c der Gutenbergschule, Wiesbaden