Beim Projekt „Schüler lesen Zeitung“ setzen sich Kinder mit dem Kurier auseinander

Von
Patrick Körber
„Dürfen wir beim Frühstücken auch Zeitung lesen?“, fragt ein Viertklässler seine Lehrerin Margret Mayer. „Selbstverständlich“, lautet die Antwort. Kaum hat das Projekt „Schüler lesen Zeitung“ für die vierte Klasse der Frauensteiner Alfred-Delp-Schule begonnen, sind die Kleinen beim Lesen auch schon Feuer und Flamme. Vor ihnen liegt ausgebreitet der Kurier. Eine Mutter hat sogar einen Kuchen gebacken und als Kurier-Titelseite verziert.
Zum gestrigen Projektauftakt haben die Grundschüler etwas Besonderes vorbereitet. Gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Lehrerin haben sie ein Lied gedichtet. In acht Strophen – zu der Melodie von „Yellow Submarine“ besingen sie die Zeitung ihrer Stadt: den Wiesbadener Kurier. „In der Stadt, in der wir leben, soll`s ne tolle Zeitung geben. Ob Lokalteil oder Sport, der Kurier berichtet immerfort. (…) Morgens früh lauf ich zur Tür, denn da gibt’s schon den Kurier. Darf die Sportschau ich nicht seh`n, im Kurier die Tore stehen.“ Bei diesen Zeilen geht uns in der Kurier-Redaktion das Herz auf.
Den Pädagogen an den Grundschulen ist freigestellt, wie sie mit ihrer Klasse das Thema Zeitung umsetzen. Von der Pädagogik-Agentur ProMedia, die das Projekt für die Verlagsgruppe Rhein-Main umsetzt, erhalten die Lehrer zahlreiches Unterrichtsmaterial.
Noch bevor es richtig an der Alfred-Delp-Schule losgeht, haben die Kinder zu Papier gebracht und vorgelesen, was ihnen zur Zeitung einfällt. „In der Zeitung gibt es wichtige Informationen. Und Promis, die meistens nur Schlechtes machen“, schreibt Rashid. Johannes wiederum meint: „Die Politikerseiten finde ich langweilig.“ Und Alina bemerkt: „Es gibt auch den Sport-Kurier (den liest mein Papa immer).“ Die Viertklässlerin Nina hat den Kurier regelrecht analysiert und zählt auf, wie die Zeitung aufgebaut ist. Viele Kinder sind auch eifrige Leser der Kinderseite, die samstags im Journal erscheint.
Doch die Kinder haben nicht nur eine Meinung, sondern auch viele Fragen, die zum Teil auch einen gestandenen Redakteur ins Schwitzen bringen: „Wer hat die Zeitung erfunden?“, „Was ist eine Nachrichtenagentur?“ „Wer hat sich den Leo auf der Kinderseite ausgedacht?“ „Wie viele Leute arbeiten beim Wiesbadener Kurier?“. Grundschullehrerin Margarete Mayer macht schon seit Jahren mit ihren Klassen bei Schüler lesen Zeitung mit. „Ich bin ein totaler Kurier-Fan“, sagt sie. Seit ihrer Kindheit lese sie die Zeitung. Ihr Ziel: „Ich will den Kindern die Liebe zur Zeitung vermitteln.“ Denn die Zeitung sei für die Orientierung im Leben wichtig. Und natürlich wolle sie eine hohe Lesekompetenz bei den Kindern erreichen. Ein Ziel, das auch die Verlagsgruppe Rhein-Main mit dem Projekt verfolgt. Bei Schüler lesen Zeitung geht es auch darum, die Tageszeitung in den Unterricht einzubauen. So weiß Mayer, dass man in einer Zeitungsmeldung auch Wortarten bestimmen oder die Nachricht einfach weiter schreiben kann.
An einer anderen Grundschule gibt es schon die Idee, das Thema „Angst“ mit dem Projekt in Verbindung zu bringen. Kinder können selbst schreiben, wovor sie Angst haben. Bei Schüler lesen Zeitung haben die teilnehmenden Kinder nämlich auch die Chance, sich selbst zu lesen. Dann, wenn sie selbst Artikel schreiben oder Bilder malen, von denen der Kurier eine Auswahl veröffentlicht.
Die regionale Bildungsoffensive der Verlagsgruppe Rhein-Main wird für Grundschüler der Klassen 3 und 4 sowie als Intensivprojekt für die Klassen 8 bis 10 angeboten. Über drei beziehungsweise sechs Wochen erhalten die Schüler die aktuelle Zeitung und vor allem Zeit, sie in der Schule zu lesen.
Weitere Informationen:
www.schueler-lesen-zeitung.de