Aufgeweckt, tatfreudig und zuverlässig: Die 8aH der Mittelpunktschule Trebur im Gespräch

Von
Michael Wien
TREBUR Als erfahrene Zeitungsleser präsentierten sich am Freitag Mädchen und Jungen der Klasse 8aH der Mittelpunktschule Trebur. Im Zuge der Aktion „Zeitung in der Schule“ hatten sie wochenlang Tag für Tag die „Main-Spitze“ durchforstet und besprochen – und nun viele Fragen an den Redakteur, den sie zu sich eingeladen hatten. Mehr Sport, mehr Berichte über Tiere, Autos, Elektroniktests, ein ausführliches Horoskop und Tipps zur Schönheitspflege wünschten sich einige, unter anderem und je nach Neigung. Die Antwort darauf kam aus ihren eigenen Reihen: Eine Tageszeitung hat den Lesern eine Übersicht zu bieten. Um vielfältig zu sein, möglichst vielen Menschen interessant zu bleiben, muss sie darauf verzichten, einzelne Interessen zu stark zu bedienen. „Wer über einzelne Themen noch mehr erfahren möchte, kann sich zur Ergänzung Fachzeitschriften kaufen“, riet ein Mädchen.
Wie viele Artikel schreibt ein Redakteur so am Tag? Wie viele Texte freier Mitarbeiter hat er zu bearbeiten? Wann genau wird die „Main-Spitze“ gedruckt? Welchen Abschluss braucht man, um Redakteur zu werden? Die 17 Jugendlichen, mit ihren im Schnitt 14 Jahren eigentlich in einem Alter, in dem man vieles ziemlich komisch findet und gegen anderes ungeduldig aufbegehrt, zeigten sich 90 Minuten sehr interessiert, hatten eine Menge Fragen und anschließend umgekehrt dem Redakteur viel zu erzählen. Damit widerlegten sie jene Zeitgenossen, die Hauptschülern nicht so viel zutrauen. Unter denen, die sie glatt unterschätzen, sind offenbar sogar einige Eltern. Mancher „Tiger“ wartet nur darauf, mit etwas mehr Liebe und Aufmerksamkeit von daheim zu noch besseren Leistungen ermutigt zu werden.
Wer sich mit diesen Jugendlichen beschäftigt, gewinnt einen Eindruck, der Vorurteilen gegen „die Hauptschüler“ widerspricht. Das stellten auch mittelständische Unternehmer fest, die ihnen die Chance gaben, sich bei Kurzpraktika vorzustellen und zugleich zu testen, ob dieser oder jener Ausbildungsberuf nicht bald für sie in Frage käme. An zehn Tagen ging es in fünf Betriebe. Klassenlehrerin Carla Schröder bekam danach soviel Lob zu hören, dass selbst sie staunte, obwohl sie schon zuvor eine gute Meinung von ihrer Klasse gehabt hatte.
Die Jugendlichen mussten fast durchweg ordentlich ran. Dafür wurden sie – mit einer Ausnahme – nicht herum geschoben, sondern kollegial unterstützt. Einige hinterließen bereits nach wenigen Stunden des Kennenlernens einen derart guten Eindruck, dass Unternehmer deutlich Interesse an einer späteren Lehrstellenbewerbung zeigten. Die Jugendlichen erfuhren viel über den Arbeitsalltag im angepeilten Beruf. Man sagte ihnen auch, dass ihre angenehmen Umgangsformen und ihre Einsatzfreude Eindruck gemacht hatten. Dafür sehe man auch mal über eine nicht so gute Note im Zeugnis hinweg.
Eines der Mädchen wurde in einer Anwaltskanzlei mit dem Führen von Akten vertraut gemacht, zwei andere wirkten im Kindergarten, wo man in höchsten Tönen würdigte, dass das forschere das schüchternere ermutigte und mitzog, statt es zu übertrumpfen. Ein Junge zeigte Geschick als Bäcker (der nachts um drei Uhr zu arbeiten beginnt), als Metzger und als Automechaniker. Für Letzteres begeisterte er sich nun restlos, als er Reifen und sogar einen Keilriemen wechseln durfte. Ein anderer Junge deckte in der Gastronomie einen ganzen Saal ein, schälte Berge von Kartoffeln und Äpfeln, räumte einen Lieferwagen aus, füllte zehn Kilo Pudding ab, bereitete zwei Kilo Kopfsalat, „so ne ganze Babybadewanne voll“, wie Klassenkameraden anerkennend feststellten.
An Lehrern mäkelte die 8aH nicht herum, obwohl alle darauf vertrauten, hier nicht namentlich zitiert zu werden. Das Bildungssystem insgesamt erscheint einigen jedoch verbesserungsfähig. Manchmal seien sie glatt unterfordert, so ohne Kursverfahren. Die eine wäre bestimmt in Mathe schneller weiter, der andere in Deutsch. Ernst genommen werden wollen sie natürlich auch so und lassen dabei auf den Ruf ihrer Schule nichts kommen.