Der integrative Unterricht an der Diesterwegschule

WIESBADEN In der Diesterwegschule wird man schon mit fünf Jahren in die E1 eingeschult. Die E1 ist nicht etwa eine Vorschulklasse sondern bildet mit der E2, diese besteht aus den sechs Jahre alten Kindern, die schon vor einem Jahr in der E1 war, eine Einheit. Die E2er über nehmen vom Tag der Einschulung an Patenschaften für die neuen E1er. So imitieren die jüngeren Kinder von den älteren verschiedene Verhaltensweisen, sie holen sich Rat und Hilfe bei Fragen und sind so nicht allein auf die Unterstützung des Lehrers angewiesen. Diese Altersmischung fördert positives Sozialverhalten untereinander. Bei den Älteren verbessert sich die Kommunikationsfähigkeit. Die Kinder geben ihr Wissen an die anderen weiter, dieses erlernte Wissen festigt sich dadurch besser. Dadurch erkennen die Kinder, was sie schon alles erlernt haben. Das wiederum schafft Motivation und Lernbereitschaft und es erhöht das Selbstbewusstsein der Kinder.
In der E1 und E2 haben die Kinder täglich ein gemeinsames Frühstück und fast jeden Tag eine Spielstunde. Doch auch Arbeitsstunden gibt es in dem Schulalltag. In diesen Arbeitsstunden können die Kinder eigenständig und in freier Wahl arbeiten; sie sind im Stande durch kurze Einführung ihre Ergebnisse selbst zu kontrollieren.
Mit dem Übergang in die Grundstufe wird die Altersmischung aufgehoben und die Spielstunden werden langsam reduziert.
Seit dem Schuljahr 1996/97 besteht in allen Jahrgängen eine Integrationsklasse mit drei bis vier behinderten Kindern und zirka 17 nichtbehinderten Kindern. Die behinderten Kinder werden in den normalen Unterricht integriert, daneben erfolgt eine individuelle sonderpädagogische Förderung mit eventuell zusätzlichen speziellen Materialien. Dadurch lernen die behinderten Kinder mit nicht behinderten Menschen und ihren eventuellen Unsicherheiten umzugehen und von nicht behinderten Kindern Hilfestellungen anzunehmen. Durch eine gewisse Nachahmung der anderen Kinder entwickeln sich die behinderten Kinder weiter. Sie lernen nicht nur soziale Dinge sondern auch ihre Fortschritte zu schätzen.
Die nicht behinderten Kinder lernen durch diese Integrationsklasse, mit behinderten Menschen umzugehen, sie zu integrieren und zu achten. Sie lernen jedoch auch die Leistungen der behinderten Kinder anzuerkennen und zu berücksichtigen. Zuletzt lernen sie noch, ihre eigene Gesundheit als nicht selbstverständlich anzusehen.
Auch die Kinder, die nicht in einer Integrationsklasse sind, lernen mit den behinderten Kindern umzugehen, da sie mit ihnen auf dem Schulhof oder auf gemeinsamen Festen in Kontakt kommen, mit ihnen spielen und fröhlich sind.
Auf der Diesterwegschule gibt es nur schriftliche Zeugnisse keine Noten, diese ermöglichen eine ausführliche Beurteilung der einzelnen Kinder zu geben.
Die Besonderheit der Schule ist, dass alle Kinder nach fünf Jahren auf dem gleichen Wissensstand sind, obwohl die Entwicklung der Kinder sehr individuell gefördert wurde. Sie lernen nicht nur den Stoff, den man auf einer normalen Grundschule lernt, sondern sie lernen verstärkt, selbstständig zu arbeiten und ein gutes Sozialverhalten zu haben. Das „Miteinander“ steht an erster Stelle.
Geraldine Stephan, Klasse 8e der Gutenbergschule, Wiesbaden