Bunte Gemälde mit kleinen Häusern und riesigen Menschen, Fotos mit Kindern und Gebasteltes hängen an den Wänden. Türen sind beklebt oder bemalt. An kleinen Garderoben hängen Kinderjacken und überall liegt Spielzeug herum. Kinder rufen und rennen durcheinander. Fast jeder kennt diese Situation. In einer Kita oder einem Kindergarten waren schon die meisten von uns. Dort trifft man auf freundlich lächelnde Erzieherinnen, aber eher selten auf männliche Erzieher. Manch einer würde jetzt erstaunt den letzten Satz noch einmal lesen. Männliche Erzieher? Wo gibt’s denn das? Mittlerweile sind schon 4 Prozent der Stellen von Männern besetzt. Das bundesweite Projekt „MEHR Männer in Kitas“ soll das nun ändern. Sabine Herrenbrück (Leiterin des Fachbereichs Kindertagesstätten) nahm am 16.12.2010 den Förderbescheid zur Teilnahme am Europäischen Sozialfond-Modellprogramm von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in Empfang. Das Projekt hat eine Laufzeit von Anfang 2011 bis Ende 2013. Es werden 16 Modellprojekte mit 1.300 Kindertageseinrichtungen in 13 Bundesländern mit insgesamt 13 Millionen Euro von dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jungend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) der Europäischen Union gefördert. Erfahrungen aus diesen Modellprojekten werden an Kita-Träger überregional weitergegeben.Inhaltlich werden die Verantwortlichen des Modellprogramms von Experten und Expertinnen derKoordinationsstelle „Männer in Kitas“, die an die Katholische Hochschule für Sozialwesen in Berlin angegliedert ist, begleitet und beraten. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) beteiligt sich zusätzlich am Projekt. Die EKHN ist eine der größten Kita-Trägerinnen in ihrem Gebiet. Ca. 600 Kitas, 1.799 Gruppen und über 40.000 Plätze gehören zur EKHN. 2009 arbeiteten dort ca. 5.370 Erzieher und Erzieherinnen, 131 davon sind Männer, was umgerechnet nur zwei Prozent sind. Jedoch fehlt es zunehmend an männlichen Erziehern, denn auch sie sind wichtig für die Entwicklung der Kinder. Sie handeln und verhalten sich anders als Frauen und sind besonders für Jungen und Mädchen mit fehlender Vaterrolle sehr wichtig. Die Kitazeit prägt Kinder genauso sehr wie die Schulzeit, umso wichtiger sind männliche Erzieher, denn wenn sie ihren weiblichen Kollegen mit Respekt und Wertschätzung begegnen, erleben die Kinder einen partnerschaftlichen Umgang. Diese Eindrücke werden die Kinder in Zukunft so umsetzen und ihren zukünftigen Partnern und Partnerinnen mit Respekt begegnen können. Wenn das nur alles so einfach wäre, schließlich ist ein Job als männlicher Erzieher auch mit Vorurteilen verbunden. Welcher Mann macht freiwillig einen Job mit Kindern, ohne dabei einen bösen Hintergedanken zu haben. Männern wird, wenn sie Kinder unter drei Jahren oder älter wickeln oder umziehen, unterstellt, potenzielle Missbraucher zu sein. Dies nennt man auch Generalverdacht. Aufgrund dieser Fakten haben sich die meisten Männer gegen den Beruf „Erzieher“ entschieden. Aus Angst vor Vorurteilen berühren sie Kinder gar nicht und behandeln sie distanziert, was jedoch wichtig für eine professionelle Ausübung des Berufes als Erzieher ist. Kinder brauchen Nähe und Geborgenheit, aber männliche Erzieher werden oft falsch eingeschätzt und Eltern sind nach einiger Zeit überrascht und sehr begeistert von ihren Fähigkeiten, manche verlangen sogar,dass ihr Kind in die Gruppe des Erziehers kommt.„Eltern begegnen mir durchweg positiv. Ich hatte noch keine Situationen, in denen gesagt wurde: ‘Ein Mann?! Och ne, bloß nicht!’, sondern eher, dass die Kinder oder die Eltern sagen: „Wir möchten unser Kind gerne in der Gruppe haben, in der auch ein Mann ist, weil es gibt auch nicht so viele männliche Erzieher’“, sagt Robert Kaselow, Erzieher im MGH Ingelheim, mit einem Lächeln. Seinen Job macht er seit drei Jahren leidenschaftlich gerne und hatte noch nie mit Vorurteilen, beispielsweise dem Generalverdacht des Missbrauchs, zu kämpfen. Robert Kaselow leitet u.a. eine Gruppe mit Grundschulkindern (über Mittags- und Hausaufgabenbetreuung nach der Schule), eine Gruppe mit Kindern unter drei Jahren betreute er bisher noch nicht. Jedem Kind steht gesetzlich, nach Vollendung des ersten Lebensjahres, seit 2013 ein Kitaplatz zur Verfügung. Allerdings fehlen laut des Statistischen Bundesamtes ca. 220.000 Plätze für Kleinkinder, bislang wurde jedoch nur von 160.000 fehlenden Plätzen gesprochen. Fehlende Plätze haben gravierende Folgen. Berufstätige Eltern, die keinen Kitaplatz bekommen, müssen ihre Kinder in private Kitas geben. So wie es eine Familie in Mainz tun musste. Alle öffentlichen Kitas waren überfüllt und somit mussten sie das Kind in eine kostenpflichtige, private Kita geben, obwohl schon nach der Geburt ein Antrag auf Betreuung gestellt wurde. Nun klagten sie. Mit Erfolg, sie bekommen die Kosten zurückerstattet. Das pfälzische Kindertagesstättengesetz sieht seit Oktober 2010 die Beitragsfreiheit der Kinderbetreuung Zweijähriger vor. Es fehlen Kitaplätze und zudem noch ca. 25.000 Erzieher und Erzieherinnen. Der Beruf schreckt viele Männer ab, weil das Gehalt mit ca. 2200 Euro nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren und es kein Zuckerschlecken ist, ca. 15 Kinder zu beschäftigen und mit den Vorurteilen der Eltern umzugehen. Als Erzieher sollte man Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeiten besitzen, dazu benötigt man Einfühlungsvermögen und am wichtigsten ist Geduld. „Ich wünsche mir mehr Zeit für das ganze Drumherum, was man eigentlich machen müsste. Also, man hat viel Bürokram, der auch erledigt werden muss und den schafft man dann irgendwie nicht. Das muss ich dann irgendwie anders zurechtlegen. Ich müsste mich dann hier in die Gruppe mit einem Laptop setzen und es dann irgendwie machen, aber es fehlt alles so ein bisschen“, sagt Robert Kaselow. Ein weiterer Grund für die Unterbesetzung des Berufes Erzieher! Doch es werden nicht nur Erzieher, sondern auch Erzieherinnen dringend gesucht. In Wiesbaden werden beispielsweise 450 – 500 zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher benötigt. Es kann diesen Fachkräften ein sicherer Arbeitsplatz geboten werden. Also ein Beruf mit Jobgarantie! „Kinder sind Jungen und Mädchen“, „Eltern sind Väter und Mütter“ und „Kinder brauchen Erzieherinnnen und Erzieher“, wie Prof. Dr. Angelika Ehrhardt so schön in der Broschüre „Kita sucht ihn! Das Projekt – Mehr Männer in Kitas Wiesbaden – stellt sich vor“ formuliert. Vielleicht sollte manch einer nun überlegen, ob dieser Beruf für ihn geeignet wäre. Tamisa Klein, SMG Ingelheim, Klasse 10 g