SCHÜLER LESEN ZEITUNG Gonsenheimer Zwölftklässler zu Besuch am Frankfurter Flughafen

MAINZ/FRANKFURT. Die Klassen 12G und 12W der Kanonikus- Kir-Realschule plus und der Fachoberschule Gonsenheim haben im Rahmen der AZ-Bildungsoffensive „Schüler lesen Zeitung“ dem Frankfurter Flughafen und speziell Fraport einen Besuch abgestattet. Den folgenden Bericht haben Schüler verfasst:

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Unternehmen in Deutschland und möchten wichtige Ersatzteile, gefährliche Güter wie Sprengstoffe und Chemikalien oder medizinische und landwirtschaftliche Geräte schnell nach Birmingham in Großbritannien bringen. Dann kann BDA NightExpress die Lösung sein. Bei der kleinsten Airline am Frankfurter Flughafen handelt es sich um ein Logistikunternehmen, das nachts diese Strecke bedient. Dabei arbeitet BDA NightExpress nach dem Prinzip „Heute bestellt und morgen geliefert“: Englische Unternehmen bestellen ihre Waren bei Lieferanten in Deutschland. Noch am selben Tag verlassen die gewünschten Produkte die Lieferzentren und BDA NightExpress erledigt den Rest, sodass die Kunden ihre Bestellungen am nächsten Tag oder sogar in derselben Nacht in Empfang nehmen können – nächtliche Expresszustellung sozusagen.

Geflogen wird zurzeit mit einem geleasten Flugzeug der Marke SAAB vom Operator „Raf-Avia“. Die beiden eigenen Frachtflugzeuge wurden vor Kurzem aufgrund der erschwerten Ersatzteilfindung verkauft. Früher gab es bei dem Flugunternehmen auch Passagierflugzeuge, allerdings verkleinerte sich NightExpress 1990 und spezialisierte sich auf den Frachtverkehr. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen zehn Vollzeit- und 15 Teilzeitmitarbeiter. Das Flugunternehmen gibt es bereits seit 1984 – die BDA hat vier Standorte: Frankfurt am Main, Maastricht (Niederlande), Birmingham (Großbritannien) und Dublin (Irland). Aufgrund der Reichweite von circa vier Stunden fliegen die Luftfahrzeuge der Airline nur europaweit; die zurzeit ab Frankfurt eingesetzte Maschine kann bis maximal 3,2 Tonnen Fracht transportieren. Die außergewöhnlichste Fracht, die je transportiert wurde, waren lebende Delfine und die Leiche des Firmenchefs eines bekannten Keksherstellers.

Die Hauptzentrale des Flugunternehmens in Frankfurt ist von 5 bis 22.30 Uhr besetzt, jedoch gilt auch für BDA Night- Express, trotz dieses Namens, das Nachtflugverbot: Spätestens um 21.55 Uhr hebt der Flieger daher in Richtung England ab. Bevor das Flugzeug jedoch zum Start bereit ist, wird es zuerst von den Technikern der Airline eigenständig überprüft. Diese Überprüfung wird Daily Check genannt. Ergänzt wird diese Sicherheitsvorkehrung durch monatliche und jährliche Wartungen.

In Deutschland wird das Unternehmen von der gebürtigen Schottin Yvonne Boag geleitet. Bevor sie mit 21 Jahren nach Deutschland kam, studierte Boag BWL und Fremdsprachen. Danach arbeitete sie als Fremdsprachenkorrespondentin in Darmstadt. Schon als kleines Kind träumte Yvonne Boag davon, am Flughafen zu arbeiten, was sie 1984 mit dem Einstieg in das Luftfahrtunternehmen NightExpress schließlich erfüllte. Die Übernahme der Geschäftsleitung erfolgte 1994 und mittlerweile ist sie bereits seit 33 Jahren im Unternehmen tätig. Die Geschäftsführerin lebt seit neun Jahren in Mainz.

Zu ihrem umfangreichen Aufgabenbereich gehört das Aktualisieren der Unterlagen, die Einhaltung der Vorschriften zu überwachen, das Personalmanagement, der Kundenkontakt, die Bereitstellung der Unterlagen für die Piloten, die Erstellung der Kundenberichte und das Planen der Frachtlogistik im Flugzeug. Jeder Flug muss individuell geplant werden. Die letzten Informationen zur tagesaktuellen Fracht liegen Boag erst abends vor. Jedes Paket wird gescannt, gelabelt und schließlich im Flugzeug verladen