SCHÜLER LESEN ZEITUNG Netzbetreiberin Syna will mit Arbeitgebern reden / Thema E-Mobilität in Leuschnerschule

Von Wolfgang Wenzel

KOSTHEIM. 500 Kilometer von Frankfurt nach Hamburg. Geht das mit einem Elektroauto? Vielleicht noch nicht am Stück, aber mit Aufladen dazwischen an einer Stromtankstelle. Etwas Wissen ist nötig: In einem Unterrichtsprojekt der Aktion „Schüler lesen Zeitung“ warben Fachleute von Syna, der Netztochter des Energieversorgers Süwag, für Elektromobilität. Betriebszweck des Unternehmens, das zum RWE gehörenden Innogy-Konzern gehört, ist unter anderem der Aufbau eines Ladesäulennetzes, um den Elektroantrieb als Alternative zu Benzin- und Dieselmotoren zu etablieren. Dafür will das Unternehmen auch die Arbeitgeber gewinnen. Ziel sei es, für die Beschäftigten vor den Betrieben Ladestationen zu errichten, die sie unabhängig von Stromtankstellen machten. Tagsüber würden die Fahrzeuge während der Arbeitszeit aufgeladen, nachts zu Hause am Stromnetz. Im Wiesbadener Stadtgebiet sind die Unternehmen Süwag und Syna nicht aktiv, sie sind in anderen Großstädten und Regionen zu finden, im Rhein-Maingebiet ist es Frankfurt. Ob genug Energieressourcen für elektrisch betriebene Autoflotten vorhanden seien?

„Solange die Sonne scheint, sind genug Energiereserven vorhanden“, hieß es bei dem Projekt für Schüler der siebten Klasse, die von der Lehrerin Fatma Gülay in Mathematik und Gemeinschaftskunde unterrichtet werden. Elektrischer Strom sei die hochwertigste Form von Energie, an Ressourcen werde es nicht fehlen, weil in der Bundesrepublik auch die Kohlekraftwerke noch liefen und durch den Zubau von Windund Solaranlagen mehr Strom erzeugt als verbraucht werde. Weltweit seien eine Million Elektrofahrzeuge zugelassen, in Bundesgebiet 34 000 Stück. Das könnte sich ändern, wenn die politischen Vorgaben für den Autoverkehr verschärft würden und nur noch Autos mit blauen Plaketten in den Umweltzonen von Städten fahren könnten. Elektroautos verursachten keine Emissionen und keinen Lärm. Was würde aus den Benzinern, wollten die Schüler wissen. Es sei kaum damit zu rechnen, dass diese Antriebsform so schnell eingestampft werde, erwiderten die Syna- Fachleute. Wahrscheinlich werde die Politik ein Datum bestimmen: „Bis dann ist Schluss, dann kann man sich darauf einrichten“, hieß es. Zwei Fahrzeuge mit Elektroantrieb stellten die Syna-Leute den Leuschner- Schülern vor, einen Opel und einen BMW, die leise schnurrend auf dem Schulhof einliefen. Statt eines Tankstutzens verfügen diese Autos über eine Steckdose für das Ladekabel. Technisch sei ein Hersteller aus Kalifornien im Moment führend: „Doch unsere Autoindustrie zieht nach“, sagten die Syna-Vertreter.

Im Main-Taunus-Kreis gibt es viele Elektroautos

Wo es die meisten Elektroautos gebe? In China. Doch auch hierzulande gebe es Gebiete mit hoher E-Fahrzeugdichte, etwa der Main-Taunus- Kreis, sagten die Syna-Vertreter, die auf die Stärken des elektrischen Antriebs verwiesen. Auf den ersten fünf Metern aus dem Stand sei das Elektroauto jedem 500-PS-Boliden überlegen, auch mit der Reichweite näherten sich EAutos denen mit Verbrennungsantrieb an. Im Moment seien Entfernungen von 200 bis 400 Kilometer problemlos zu schaffen, die Batterieentwicklung mache große Fortschritte. Etwa in zwei Jahren werde es keinen Unterschied mehr geben und Entfernungen von 700 Kilometer mit einer Ladung möglich sein. Ob schon jemand im Elektroauto mitgefahren sei? Nein, lautete die Antwort der Siebtklässler. Der Fahrspaß sei größer als bei jedem anderen Auto. Der Vergleich sei etwas gewagt: Wer schon einmal im Autoscooter herumgekurvt sei, könne sich in etwa eine Vorstellung davon machen, wie es mit Elektroantrieb auf der Straße sein müsse. Eine Gangschaltung gebe es nicht, alles laufe automatisch. „Er gibt sofort alles, was er hat“, hieß es über den Elektroantrieb. Was Elektroautos kosten, wollten Schüler wissen. Sie seien heute noch „ein klein bisschen teurer“, sie kosten zwischen 19 000 und 200 000 Euro, lautete die Antwort. Was man unternehmen müsse, um am meisten Energie zu sparen? Indem man energieeffiziente Geräte nutze und öfter mal auf strombetriebene Geräte verzichte.