„Schüler lesen Zeitung“ in der Pestalozzischule gestartet / Insgesamt 140 Teilnehmer

Von
Michael Wien
Zeitungshüte auf dem Kopf beantworteten sie geschickt eine knifflige Quiz-Frage nach der anderen. Einige machten zum ersten Mal die Erfahrung, dass man eine Zeitung auseinander nehmen kann. Aus dem entstehenden Durcheinander wieder eine Zeitung zu machen, kommt später dran, wenn sich die Kinder noch besser auskennen. Fürs erste fanden sie zum Beispiel heraus, aus wievielen Städten im Lokalteil berichtet wird. Alsdann ermittelten sie, welches Wetter vorausgesagt war: Viel Wolken, teils etwas Regen. Wolken waren zumindest schon da, der Regen könnte ja auch noch kommen – oder besser nicht. Der Tagesspruch war schon schwerer zu finden, aber auch das gelang den meisten.
Dabei fängt die 3c erst mit dem Projekt an. Drei Wochen lang werden jetzt unter 140 Grundschülern auch die 28 Kinder der 3c die „Main-Spitze“ bekommen. Das heißt, zwei Kinder waren gestern krank. Was die anderen auch deshalb schade fanden, weil die beiden nun nicht mitmachen konnten.
Auf ihrem ersten Streifzug durch die Zeitung machten die Kinder nämlich die verschiedensten Entdeckungen. Bei einigen Jungs sorgte der Sportteil für Gesprächsstoff. Wird bei Werder gemogelt? Ein Mädchen stolperte über die Traueranzeige einer befreundeten Familie, ein anderes war bestürzt über die Nachricht, dass in Stuttgart eine junge Frau vor eine S-Bahn geschubst worden war. Alle wandten sie sich rasch wieder erfreulichen Nachrichten zu. Das Foto des DSDS-Stars Benjamin Herd zum Beispiel löste Entzücken bei den jungen Damen aus.
Mit all diesen Eindrücken nicht genug, fragten die Kinder dem Autor dieses Artikels eine Stunde lang Löcher in den Bauch. Nein, im Ernst: Ein richtiges Interview machten sie mit ihm, zeigten sich damit schon am ersten Tag als gute Reporter. Ihre Fragen machten gespannt auf die Artikel, die sie bis zum Ende der Aktion selbst liefern werden. Wie funktioniert das Zeitungmachen? Wie lange sitzt ein Redakteur am Computer, wie lange ist er unterwegs? Hat er schon mal eine ganze Seite auf einmal zugeschrieben? Was war die schönste, die spannendste, lustigste, gruseligste Geschichte? Und was ist, wenn ein Redakteur Fehler macht? Die stehen dann ja in der Zeitung!
Dass nicht der echte Kriminalfall Vergnügen bereitet, weil es eben bedrückend ist, das Leid anderer Menschen anzuschauen, sahen die Kinder ein. Und sangen als Dankeschön ein lustiges Zeitungslied, auf der Gitarre begleitet von Sandra Abel, ihrer Lehrerin.