ALLTAG Blindes Mädchen besucht Gymnasium

Von
Lara Karkowski
ALZEY. Zielstrebig steuert Nina Becker auf die Treppe zu, mit einem Stock läuft sie voran. Sie ist blind. Seit über einem Jahr nun besucht die elfjährige Gymnasiastin das Römerkastell in Alzey. Für sie ist es eine große Chance, die sie ergreifen konnte, denn so ist der Unterricht anspruchsvoller als auf einer Gesamtschule für behinderte Kinder. „Die Lehrer und Schüler sind sehr nett, auch die Räume sind gut aufgebaut“, so Nina. Für sie ist es kein Problem, sich in dem Klassenraum zu bewegen, sie fühlt sich wohl. Auch leistungsmäßig ist man erfreut, wie intelligent Nina Becker ist, was für einen Aufwand der Unterricht mit sich bringt und dass sie eine der besten Schülerinnen in der Klasse ist. Als sie darauf angesprochen wird, bejaht sie dies bescheiden. „Natürlich hatten die anderen Schüler am Anfang viele Fragen, aber wir bauten einen Tag ein, bei dem wir den Klassenkameraden alles zeigten, was ich brauche“, erzählt die blinde Schülerin. Auf ihrem Platz befindet sich eine Vielzahl von Gegenständen, die ihr beim täglichen Unterricht helfen. Sie besitzt einen Laptop und eine Acht-Punkte Tastatur mit Lesetastatur, um schreiben und lesen zu können. Das ist jedoch kein Nachteil für Nina. Sie liest und schreibt genauso gut wie ihre Klassenkameraden, manchmal sogar schneller.
Allerdings ist es für sie schwierig, das alles alleine zu organisieren. Deswegen hat sie eine Betreuerin, die ihr bei den verschiedensten Dingen hilft. Wenn zum Beispiel der Computer nicht richtig funktioniert oder wenn Nina in eine anderen Raum muss, hilft sie ihr.
Auch im Alltag hat Nina keine Probleme. „Unser Gelände ist ziemlich groß, aber da ich mich dort gut auskenne, brauche ich meinen Blindenstock nicht. Zuhause fahre ich auch Fahrrad und mache alles genauso wie die anderen, außer bei den Hausaufgaben“, erklärt Nina. Auch Arbeitsblätter sind kein Problem. Die Betreuerin scannt diese in den Computer ein und so kann Nina das Blatt ausfüllen und durchlesen.
Auf die Frage, wie ihre Eltern mit der Situation umgehen, antwortet sie: „Meine Eltern gehen damit gut um. Viele Geräte bezahlen sie oder die Krankenkasse. Sie gehen nicht vorsichtiger mit mir um, nur weil ich blind bin.“ Die kleine Gymnasiastin beeindruckt, und es ist wirklich erstaunlich, was sie so alles kann. Denn blinde Leute sind nicht gleich behindert – das zeigt auch ihre unglaubliche Ausdauer.