SCHÜLER LESEN ZEITUNG Vorbereitungstreffen für Lehrkräfte / Jugendliche bereits in den Startlöchern

Von
Michael Wien
RÜSSELSHEIM/WIESBADEN. Mit einem Vorbereitungstreffen für die Lehrkräfte begann am Montag im Pressehaus der Landeshauptstadt die nächste Runde der Aktion „Schüler lesen Zeitung“, die von dem Bauunternehmen Karl Gemünden und dem Papierhersteller Norske Skog finanziell und ideell unterstützt wird. Vom 21. September bis 9. Oktober und – nach den Herbstferien – vom 26. Oktober bis 28. November werden Schülerinnen und Schüler der Klassen acht bis zehn täglich ein persönliches Exemplar der „Main-Spitze“ bekommen und sich damit intensiv auseinandersetzen.
Medienpädagoge Ralf Foltz vom Institut „ProMedia“, das im Auftrag unseres Verlages die Unterrichtsmaterialien erarbeitet hat, wies zum Einstieg darauf hin, 45 Prozent der Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren gäben an, als Kind nie ein Buch in die Hand bekommen zu haben. „Acht Prozent bezeichnen Bücher und Zeitungen schon als Ballast.“
Dabei komme man ohne Lesekompetenz auch bei der Nutzung etwa des Internets nicht weit, erklärte Foltz. „Wer Zeitung liest, erwirbt die Kompetenz, auch mit anderen Medien nutzbringend umzugehen.“ Wer nicht gelernt habe, Nachrichten zu hinterfragen und Geschichten weiterzuverfolgen, werde sich im Dschungel der Medien schwerlich zurecht finden, sich höchstens berieseln lassen können. „Dabei ist es nicht so wichtig, ob jemand die Zeitung auf Papier oder online liest. Um auch Letzterem gerecht zu werden, haben wir der Beschäftigung mit der elektronischen Zeitung im Projekt mehr Raum gewidmet als je zuvor.“
Foltz berichtete über Abwehrreaktionen Jugendlicher, wenn sie auf politische Zusammenhänge angesprochen werden. „Wie soll ich eine Meinung haben, wenn ich mich nicht auskenne?“ Dagegen wirke das Erfolgserlebnis, Erfahrungen und Begebenheiten aus seinem direkten Lebensumfeld für die acht Wochen des Projektes mit dem vernetzt zu sehen, was man in der Zeitung liest, befreiend. Gerade auf junge Menschen, die vielleicht glaubten, Zeitung sei nichts für sie. Erfolgserlebnisse beim Wiedererkennen und dann beim Erfassen von Hintergründen förderten Wunsch und Fähigkeit, sich Meinungen zu bilden und sie zu formulieren, vielleicht im Projekt-Rahmen gleich als eigenen Artikel an die Redaktion zu schicken. Die Freude daran, sich Informationen zu beschaffen, sie zu verarbeiten und zu bewerten sei nützlich fürs ganze Leben, – im Umgang mit allen Medien.