Lesung des Jugendbuchautors Jochen Till in Schierstein

Knapp eineinhalb Stunden hörten Schüler der Erich Kästner-Schule in Schierstein gespannt und amüsiert dem Jugendbuchautor Jochen Till und seinem Freund Dirk Pattenkofer zu. Denn Till liest nicht selbst, er lässt lesen. Bis jetzt veröffentlichte Jochen Till zehn Bücher, darunter neun für Teenager und eines, sein bisher letztes Buch, „Der letzte Romantiker“, für Erwachsene. Dieses soll nächstes Jahr mit Til Schweiger in der Hauptrolle verfilmt werden.
Sein erstes Buch, das er 1995 für seine damalige Freundin schrieb, kam erst nach etlichen Absagen unter dem Titel „Der Junge Sonnenschein“ auf den Markt. „Trotz allem hat sie dann Schluss gemacht“, sagte er lachend. Mittlerweile heißt das Buch nur noch „Sonnenschein“ und wird bald zum dritten Mal veröffentlicht. Das verwundert nicht, wenn alle Kapitel so voller Witz sind wie die Szene im Wartezimmer des Tierarztes. Dort warnt der Junge Sonnenschein eine Pudelbesitzerin vor einem drogensüchtigen Cockerspaniel, der Pudel vergewaltige und Aids verbreite.
„Pro Tag schreibe ich zwei Seiten am Computer und höre nicht auf, bis ich fertig bin. Das kann zwei Stunden dauern, manchmal aber auch sechs“, sagte Till. So benötigt er für ein Buch drei bis vier Monate. „Und was verdient man so als Schriftsteller?“ – „Wenn ein Buch 12,95 Euro kostet, bekomme ich einen Euro pro verkauftem Buch“, teilte Till den Schülern mit. Ob das zum Leben reiche, wollten die Schüler wissen. „Ja, aber wahrscheinlich nur, weil ich in einer Wohngemeinschaft lebe und keine Kinder und keine Frau habe.“
„Das Buch ,Ohrensausen‘ war für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert“, erzählte der Autor stolz. Dirk Pettenkofer las daraus eine Mathestunde vor, und die Kästner-Schüler konnten gut mitfühlen, wie der geplagte Danny mit Formeln und Zahlen kämpfte. In „Verdammter Dienstag“ beschreibt Till einen Vormittag in der Schule. Und wieder ging es in der Textprobe um eine Mathestunde, dieses Mal voller Situationskomik und Sprachwitz. Die Zuhörer lachten mit, wären gerne in so einer Stunde dabei gewesen.
Jochen Till mochte seine Schulzeit – so sehr, dass er drei Mal die 8. Klasse und zwei Mal die 11. Klasse machte. „Ich war nie gut in Deutsch“, gestand der Schriftsteller.
Am Ende der Lesung gab Jochen Till noch Autogramme. Ein Mädchen hatte ihre Drumsticks mitgebracht, um sie unterschreiben zu lassen, denn Danny, der Held aus „Ohrensausen“ ist Drummer in einer Punk-Band. Und Jochen Till saß selbst bei mehreren Punk-Bands hinter dem Schlagzeug.
Von Sarah Möcks und Christian Müller, Klasse R9b der Erich-Kästner-Schule, Wiesbaden