Alle reden über Umweltschutz, alle wollen etwas tun, doch keiner fängt an. Ingelheim hat begonnen, doch hat die Stadt auch genügend Unterstützung? Bleischwer drückt der Himmel. Nebelwolken bedecken die Stadt. Es wirkt fast schon so, als wollte das Universum der Welt etwas mitteilen. Als wollte es der Menschheit eine Lektion erteilen oder sie bestrafen. Schneematsch liegt auf den Straßen und eigentlich überall, wo man hinschaut. Die Tage vergehen nur langsam und immer gleich. Man kann sich eigentlich nichts anderes mehr vorstellen, als so jemand, der sich vom ,,weißen Winter‘‘ verabschiedet hat. Bis man in die Neumühle einbiegt. Man taucht ein in eine andere Welt. Hier hört man die Vögel zwitschern und kann die frische Luft in seinen Atemwegen spüren und inmitten von Schnee, Bäumen und Pflanzen steht hier ein Haus. Es ist aus Holz gebaut und wirkt idyllisch. Lässt man seine Blicke an den Eingang dieses reizenden kleinen Gebäudes schweifen, erkennt man einen älteren Herrn. ,,Guten Tag! ‘‘, begrüßt uns Herr Haupt. Er wirkt sichtlich gelassen. „Kommen Sie, ich zeige ihnen unser Gelände.“ Er geht voran. Nach einer Weile bleibt er stehen und zeigt mit seinem Finger auf das Feld hinter dem Gebäude. „Das ist unser Bienenlehrpfad“, erzählt Herr Haupt stolz. Der Raum in den Herr Haupt uns führt, ist relativ groß. In der Mitte des Raumes stehen jeweils zwei lange Tische. Alles wirkt sehr rustikal, im Landhausstil. In einer Ecke erkennt man eine kleine Einbauküche. Und an den Wänden kleben rundherum Poster von Tieren, Pflanzen oder Naturschutzgebieten. Welch eine Ironie, das Klischee eines Naturschützers ist hier vollends erfüllt. Viele Menschen verbinden mit dem Wort Naturschützer oft Fanatiker. Sie stellen sich jemanden vor, der alles für den Schutz der Umwelt machen würde. Dies trifft auf Herrn Haupt und seine Gruppe nicht einmal annähernd zu. Die Mitglieder der Naturschutzgruppe sind nahezu alle Rentner und sehen die Rettung der Umwelt zwar als ihre Pflicht an, sind aber keinesfalls Fanatiker.Welch eine Ironie, das Klischee eines Naturschützers ist hier vollends erfüllt Herr Haupts Kollegen sitzen an einem Tisch und lassen es sich mit Kaffee und Kuchen gut gehen. Sie lachen und scherzen miteinander völlig ausgelassen, als wäre die Welt noch in Ordnung. Nachdem Gerhard Haupt ihnen kurz zugenickt hat, setzt er sich an den anderen Tisch. Er wirkt konzentriert und ernst. „Unser Grundstück haben wir gepachtet“, erzählt er anschließend. Haupt ist stellvertretender Vorsitzender der Naturschutzgruppe Ingelheim und Umgebung e.V. Die Naturschutzgruppe beschäftigt sich mit den Themen Biotopschutz, Umwelt- und Naturschutz in Ingelheim und um Ingelheim herum. Gerhard Haupt ist hier schon seit über zehn Jahren tätig und geht hier fast täglich ein und aus. In seiner langjährigen Laufbahn in der Naturschutzgruppe Ingelheim hat er schon bei so einigen Aktionen mitgewirkt. Da kommt die Frage auf, was denn die Stadt in diesen Jahren voller Aktionen zum Naturschutz in Ingelheim beigetragen hat. Haupt wirkt sehr verärgert, als er erklärt, dass diese schon seit Jahren nur indirekt mitgewirkt hat. Indirekt bedeutet in diesem Falle, dass sich die Stadtverwaltung mit samt seinem Oberhaupt nach der Verpachtung des Grundstücks fein aus der Sache heraus gehalten hat. Die Finanzierung der Naturschutzgruppe Ingelheim fällt daher relativ mager aus. Sie besteht aus drei Säulen. Die erste Säule besteht aus den Mitgliedsbeiträgen, die zweite aus Spenden und die dritte besteht aus den Einnahmen von Landesaufträgen. „Wir sind oft knapp bei Kasse. Wir haben wenige Mitglieder und noch weniger bekommen wir Spendengelder auf unser Konto überwiesen. Das meiste bleibt durch Landesaufträge hängen. Wir würden uns deswegen mehr Unterstützung von der Stadt Ingelheim wünschen. Sei es finanziell aber auch wenn es um unsere Werbung geht. Jede Art von Hilfe ist hier willkommen“, sagt der stellvertretende der Naturschutzgruppe entschieden. Die Naturschutzgruppe will vielleicht auch gerade deswegen neue und lebenslustige Mitglieder gewinnen, denn: Umweltschutz fängt schon von klein auf an. So lautet die Devise der kleinen Gruppe. Hierbei werden die jüngeren Altersgruppen ganz besonders angesprochen, denn daran mangelt es laut Aussage gewaltig. Das Problem ist, die Umweltgruppe weiß nicht, wie sie die jüngere Generation anlocken könnte. Dabei gibt es doch vorhandene Beispiele. Ein landesweit bekanntes Projekt ist zum Beispiel das Bergwaldprojekt. Das Bergwaldprojekt versucht schon seit mehr als 20 Jahren Abenteuerlust mit der Umwelt zu verknüpfen und hat sogar Erfolg. Jedes Jahr finden sich zahlreiche Umweltbefürworter mit denen, die es „noch“ nicht sind, zusammen. In diesem Projekt geht es um das Erfassen von nachhaltiger Ökologie, es finden Einsätze quer durch die Republik statt und sie sind für jeden offen. Einzige Bedingung: Volljährigkeit. Der Projektleiter Andreas Frieseke glaubt: „(…) Was man liebt, das schützt man auch. Wenn man in der feuchten Erde wühlt und sich die Finger dreckig macht, bekommt man einen ganz anderen Bezug zum Wald, (…) (Artikel: Das Bergwaldprojekt, das Wochenend-Magazin, Die Zeit). Vielleicht ist das der perfekte Werbe-Slogan für die kleine Gruppe in Ingelheim, um Jugendliche auf sich aufmerksam zu machen. „Nein“ schüttelt Haupt seinen Kopf, „das Problem ist, dass die jungen Erwachsenen heutzutage andere Freizeitbeschäftigungen haben und nebenbei auch noch den schulischen Pflichten nachkommen müssen. In ein paar Jahren werden sie alle mit dem Studium beschäftigt sein und anschließend mit der Familiengründung.“ Ein ewiger Kreislauf, der nicht enden will. Tapfer nimmt Herr Haupt sein Schicksal an, am Ende sind sie doch wieder auf die Älteren unter ihnen angewiesen. Allerdings stimmt das mit der verzweifelten Suche nach jüngeren Mitgliedern nicht ganz, es gibt ja auch noch die Kindergartenkinder. Diese sind nämlich regelmäßig im Naturschutzzentrum zu Besuch. Sie werden quer über das Grundstück geführt und können dabei lustige Aufgaben zum Thema Pflanzen und Tiere lösen. Am Ende des Tages erhält jeder der kleinen Besucher einen Entdeckerausweis, auf dem bescheinigt wird, dass sie sich jetzt mit vielen Pflanzen auskennen. „Darauf sind sie dann besonders stolz und man kann das Funkeln in ihren Augen sehen“, sagt Haupt. Es wird gewiss den einen oder anderen geben, der sich auch in Zukunft mit der Umwelt befassen wird, denn: Kinder sind unsere Zukunft. (…) Was man liebt, das schützt man auch. Wenn man in der feuchten Erde wühlt und sich die Finger dreckig macht, bekommt man einen ganz anderen Bezug zum Wald, (…) Ein anderes Problem sind laut Herrn Haupt die Winzer. Während andere Naturschützer in Mainz sich zum Beispiel um Kulturlandschaften sorgen und dagegen protestieren, dass Windräder nicht an solchen besonderen Orten gebaut werden, sieht Herr Haupt das Problem bei den Winzern. Das Problem ist schlicht und einfach, dass der Naturschutz nicht den Interessen der Winzer entspricht. Es gibt daher auch nur wenige Öko-Winzer. Der größte Unterschied sei der der Begrünung. Man erkenne laut Herrn Haupt schon am Eingang, ob der Winzer umweltfreundlich sei oder nicht. In Ingelheim überwiegt dieses Problem, doch in Mainz müssen die Naturliebhaber mit viel größeren Problemen kämpfen. Der Bau der Windräder ist ein „must be“ für die Regierung und ein „no way“ für alle anderen. Nur um bis spätestens 2030 ihren ganzen Strom aus erneuerbaren Energien beziehen zu können, opfert die Regierung den Naturschutz, lautet die Aussage der ökologischen Alternativbewegung. Die Natur opfern? Das kommt auch für die Gruppe in Ingelheim nicht in Frage. Das hat auch die Stadt Ingelheim bewiesen, als sie im letzten Jahr im Oktober die Grünen Hausnummern verliehen hat. Die Grüne Hausnummer ist eine Auszeichnung für Bürger und Bürgerinnen, die ihren Wohnsitz umweltfreundlich umgebaut haben. Hierbei müssen verschiedene Kriterien in den Bereichen Baustoffe, Strom, Heizung, Wasser, Grundstücksgestaltung und Begrünung erfüllt werden. Ein vorbildlicher Schritt in Richtung Naturschutz. Denn „das Grundproblem ist der Mensch. Er dominiert und verdrängt alle anderen Arten. Es ist fraglich, ob das gut gehen kann. Ansonsten können wir uns auf eine große Naturkatastrophe vorbereiten. Unsere Existenz liegt in den Händen der Menschen, sie formen die Welt nach ihren Gunsten um“, warnt Haupt, ihm steigen die Tränen in die Augen. Eine große Naturkatastrophe? Das hätte wirklich dramatische Folgen für alle. Es liegt also an den Menschen, was sie aus ihrer Mutter Erde machen. Sie müssen den Klimawandel stoppen und auch wenn die Aktionen für Umweltschutz in Ingelheim für viele nicht von großer Bedeutung sind, kann man hier nur eins sagen: Jeder fängt mal klein an… Defne Pekdemir, SMG Ingelheim, Klasse 10 g