…wird bei „Zeitung in der Schule“ gestillt / Tagblatt-Redakteur steht in der Elly-Heuss-Schule Rede und Antwort

Von
Rüdiger Vogel
Zeitung lesen macht schlau. Das soll nicht heißen, dass die Schüler der Klasse 8e der Elly-Heuss-Schule nicht schon vorher helle Köpfe gewesen sind. Seit sie aber im Deutschunterricht von Renate Brenning-Heinemann am Projekt „Schüler lesen Zeitung“ des Wiesbadener Tagblatts teilnehmen, haben sie sich ganz offenbar intensiv Gedanken über die Zeitung und den Journalismus gemacht. Das beweisen die vielen gezielten und intelligenten Fragen zu unterschiedlichsten Themenbereichen, die der „Abgesandte“ der Tagblatt-Redaktion an diesem Morgen gestellt bekommt.
Die 8e sitzt in einem fast als gemütlich zu bezeichnenden Dachgaubchen im dritten Stock des altehrwürdigen Schulgebäudes und freut sich durchaus lautstark über die hereinplatzende Abwechslung im Unterricht. Es dauert eine Weile, bis der Fotograf seine Bilder im Kasten hat. Und ehe die „Fragestunde“ beginnt, summt der Klassenraum wie ein Bienenstock. Freundlich bekomme ich einen freien Stuhl offeriert. Der knackt zwar vernehmlich als ich mich draufsetze, aber dann geht es los. Die Fragen über Auflagenstärke, die Unterschiede zu anderen Zeitungen, den Redaktionsalltag, die Nachrichten-Beschaffung und -Auswahl, Seitengestaltung, Dienstzeiten, Unterschiede zwischen Reportern und Redakteuren am so genannten „Newsdesk“, Seitenformaten, Anzeigenaufkommen, Andruckzeiten und nicht zuletzt Verdienstmöglichkeiten im Journalistenberuf prasseln nur so hernieder.
Dabei wird deutlich, dass die Schüler im wortreich-fidelen Alter „zwischen 14“ durch den Unterricht schon weitreichende Grundkenntnisse über den Arbeitsalltag in einer Zeitung haben. Das oftmals gepflegte Image des um die Welt reisenden Journalisten, der von früh bis spät Mordfälle aufklärt, Porsche oder Ferrari fährt und sich höchstens am Abend mal zehn Minuten an die Schreibmaschine setzt, hat dabei keinen Platz. Die Schüler fragen spezifisch und gezielt.
Ich werde Zeuge wie Frau Brenning-Heinemann mit Vorlesebeispielen die Unterschiede zwischen Glosse und Kommentar herausarbeitet und bin positiv überrascht wie treffsicher die ganze Klasse die unterschiedlichen Stilelemente verschiedenster Artikelformen zu benennen weiß.
Es herrscht großes und wohltuendes Interesse an der Pressearbeit und selbst die eher „stillen Wasser“, die es natürlich auch in der Klasse 8e gibt, hören meinen lichtvollen Ausführungen aufmerksam zu. Aus dem Klassenverband kommt die Idee, doch mal ein Interview zu üben. Die beiden Schülerinnen Läila und Fong stellen sich zur Verfügung und ich interviewe sie über ihre Ansichten zu den kulinarischen Genüssen im Schulalltag. Das wird ein munteres Hin und Her und macht allen Beteiligten viel Spaß.
Die nicht ohne bewundernden Unterton gestellte Frage, wie ich es schaffe, Fragen zu stellen, die Antworten zu notieren und währenddessen gleich wieder neue Fragen zu formulieren, ist gar nicht leicht zu beantworten. Es hat nämlich von Anfang an immer so funktioniert und hat wohl etwas mit Talent und Berufserfahrung zu tun.
A propos Bewunderung: In der Pause, zu der nicht mehr die Schulglocke läutet, sondern ein eher dezenter Summer ruft, hat Frau Brenning-Heinemann Aufsichtsdienst auf dem Korridor und ich nutze die Gelegenheit, die im Klassenraum verbliebenen Schülerinnen und Schüler zu fragen, ob sie ihre Lehrerin mögen. Beim langgezogenen „Jaaaaa!“ zögert keiner auch nur einen Moment. „Sie ist die Beste“, sind sich alle einig. Ob die „Deutsch-Paukerin“ weiß, was das für ein dickes Kompliment ist?
Damit aber nicht nur alles Spaß und Freude ist, gibt es am Schluss als Hausaufgabe wieder einen Zeitungsbericht zu schreiben. Das wird zwar mit einigen Seufzern quittiert, aber so richtig unwillig ist keiner. Im Gegenteil! Die Freude an der Arbeit mit dem Medium Tageszeitung ist gegenwärtig und die Fragen nach den Zukunftsaussichten der Branche und der in ihr arbeitenden Menschen lassen nicht lange auf sich warten. Mal abwarten, ob es aus der 8e der Elly-Heuss-Schule irgendwann mal jemand in den Journalistenberuf schafft. Das Interesse daran scheinen die meisten jedenfalls zu haben.