Neuer Klangkörper ist in Treburer Geläut eingestimmt / Erinnerung an Rabanus Maurus

Auf der neuen Glocke steht am obersten Rand „Gesellschaft Heimat und Geschichte Trebur 2008“, am unteren Rand steht „Et uni sum Illic et minister meus erit“, was heißt „Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein“, zu finden im Johannes-Evangelium, Kapitel 12, Vers 26. An der Flanke der Glocke ist ein Laurentius-Medaillon eingraviert.
Der Erste Vorsitzenden der Gesellschaft, Wolfgang Kraft, sagt dazu auf Anfrage: „Trebur hat eine Laurentius-Tradition, nicht nur in der evangelischen Laurentiuskirche. Auch die Kerb wird am 10. August, dem Namenstag des Heiligen, gefeiert. Deshalb soll die neue Glocke dem Diakon Laurentius gewidmet werden.“
Für die Glockenform wurden die traditionellen Zutaten genommen: Naturlehm, Stroh und Pferdemist. Mittels einer Holzschablone, dem so genannten Rippenbrett, wird dieser Formlehm millimetergenau auf einen aus Ziegeln gemauerten Kern aufgetragen. Die Rippen sind der geometrische Aufriss des Glockenprofils. Dieses Profil entscheidet über Tonhöhe und die Klangfarbe der späteren Glocke.
Zum Guss der Glocke wird die Bronze, eine Legierung aus 78 Teilen Kupfer und 22 Teilen Zinn, auf 1080 Grad erhitzt. Die flüssige Schmelze wird in die Glockenform eingegossen. Damit die Form dem Druck des Metalls standhält, wird sie mit Erde in einer Grube eingestampft. In den Minuten des Gusses entscheidet sich die Qualität einer mehrere Wochen dauernden Vorbereitungszeit. Nach dem Guss benötigt die neue Glocke je nach Größe einige Tage bis mehrere Wochen dauernde Abkühlzeit, bevor die Form ausgegraben werden kann.
Der Verein wünscht sich – nachdem die neue Glocke im Dachreiter der Friedhofskapelle installiert ist -, dass die Glocke nicht nur zu Beerdigungen geläutet wird, sondern in einem Gesamtgeläute aller Treburer Glocken zu hören ist. Die von der Tonhöhe kleinste Glocke der Laurentiuskirche ist auf e`, die größte Glocke der St. Albanskirche auf d„, die Glocke des Historischen Rathauses auf e„ und die neue Glocke auf a„ gestimmt. Sie ergeben eine Melodie, die an Rabanus Maurus, Erzbischof von Mainz, und an die bedeutende Geschichte Treburs erinnert, mit der Hymne „Veni creator Spiritus“, das heißt „Komm Schöpfer Geist“. Rabanus Maurus war persönlicher Berater des Kaisers Ludwig der Deutsche und zuletzt am 6. Juni des Jahres 849 am Hofe der Kaiserpfalz in Trebur anwesend.
Lukas Kraft, 7d