KRANICHE 6 000 Paare brüten jährlich in Deutschland

Im Rahmen des Projekts „Schüler lesen Zeitung“ der Verlagsgruppe Rhein Main schreiben Schüler eigene Texte, die wir veröffentlichen. WIESBADEN. Wer im Oktober und November gen Himmel blickt, kann Zeuge eines eindrucksvollen Naturschauspiels werden: dem Zug der Kraniche. Seit der Kranich 1978 zum Vogel des Jahres gewählt wurde, hat sich viel getan. Die früher vom Aussterben bedrohten Kranichbestände haben sich durch das große Engagement von Naturschützern stark erholt, und nun brüten bei uns in Deutschland wieder etwa 6 000 Kranichpaare. In ganz Europa werden momentan 74 000 bis 110 000 Brutpaare gezählt. Als einer der auffälligsten Zugvögel, die unser Land zweimal im Jahr überfliegen, hat der Kranich graues Gefieder, schwarz-weiße Kopffedern, eine rote Scheitelplatte, lange Beine und einen langen Hals. In der Luft erkennt man ihn an seiner meist keilförmigen Flugformation und seinen trompetenartig schmetternden Rufen. Kranichpaare bleiben meist ein Leben lang zusammen. Im Oktober und November sind sie auf dem Weg in ihre Winterquartiere in Spanien, Frankreich und Nordafrika. Der Kranich rastet am liebsten auf feuchten bis nassen Flächen, wie Hochmoor- und Sumpflandschaften sowie Seichtgewässern. Nach Aussage des ehrenamtlichen Ornithologen Wittiko Häuser überfliegen die Kraniche Anfang Oktober so gegen 17 Uhr abends von Rügen kommend unsere hessische Taunusregion. „Danach kann man sogar seine Uhr stellen“, so Wittiko Häuser. Weiterhin berichtet er, dass beim Abflug der Kraniche von Rügen die auf der Route befindlichen Flughäfen informiert würden. Darunter auch der Frankfurter Flughafen, über dessen Gebiet ehemals die Flugroute der Kraniche verlief. Glücklicherweise ist die genetische Programmierung auf die Zugwege nicht so starr, wie man einst dachte. Die Kraniche reagieren etwa auf Windräder oder Flughäfen und weichen leicht von ihren herkömmlichen Routen ab. Rastgebiet auf Rügen Das wichtigste Rastgebiet der Kraniche befindet sich in der Rügen-Bock-Region an der vorpommerschen Ostseeküste. Laut Aussagen eines Mitarbeiters des Kranich-Informationszentrums Groß Mohrdorf sind dort am 9. Oktober des vergangenen Jahres 57 655 Kraniche durchgezogen. Auf die Frage, was er jugendlichen Schülern für eine Botschaft mit auf den Weg geben würde, appellierte er eher an Eltern und Lehrer: „In der Grundschule ist ja noch Interesse für die Natur da. Aber in den weiterführenden Schulen geht das mehr und mehr verloren. Schön wäre es, wenn Eltern und Lehrer generell mehr versuchen würden, den Kindern und Jugendlichen Natur nahe zu bringen.“ Zum Schutz und der Erforschung der Kraniche wird versucht, sie als Junge zu fangen und mit Sendern und Farbringen zu versehen. Man hat sogar begonnen, trockengelegte Moore wieder zu verwässern. Der Kranich gehört wahrscheinlich zu den wenigen Geschöpfen, für die die Klimaerwärmung gut ist: Er muss nicht mehr so weit fliegen.