„Lesemoderatina“: Ein Fantasiewesen liest Zeitung

Von
Luisa Desiree Abraham
Im April des Jahres 2000 zerschnitt ein Mädchen ein Zeitungsblatt in ganz viele, kleine Teile. Daraus entstand wie durch Zauber eine Lesemoderatina. Das ist ein ganz kleines Mädchen, das durch Zeitungen kriecht. Diese Lesemoderatina ist jetzt fast sechs Jahre alt, das ist aus ihrer Sicht wie Anfang 20. Sie wohnte jede Woche in einer neuen Zeitung. Als eines Montags eine neue Woche anfing, fand sie in einem Briefkasten eine interessante Zeitung, auf der in großen, blauen Druckbuchstaben MAIN-SPITZE stand. Die Zeitung riss sie mit aller Kraft aus dem Briefkasten.
Da es windig war, konnte sie es sich auf der Zeitung gemütlich machen und sich vom Wind tragen lassen. Der Wind trug sie an Wohnblöcke. Dort machte sie es sich an der Hauswand bequem und las als erstes die Zeitung auf Seite 1 „Otto krönt Dreifach-Triumph“. Die Lesemoderatina dachte: „Mhm, die Deutschen haben im Rodeln die ersten drei Plätze belegt!“
Auf der nächsten Seite fand sie schon wieder interessantere Sachen, wie zum Beispiel dieses hier auf Seite 7: „Opel: Kein weiterer Stellenabbau.“ Dort blieb sie dann noch 20 Minuten hängen. So blätterte sie wieder um. Dort gefiel ihr etwas sehr gut: Mit einer Automaten-Geld-Karte können sich Jugendliche keine Zigaretten am Automaten kaufen, weil nur 18-Jährige die Karte bekommen.
Ein paar Seiten später, auf Seite 16, blieb sie an dem Bild von der Überschrift „Große Geschichte aus kleinen Geschichten“ hängen. Aufmerksam las sie den Text durch. Die Lesemoderatina blätterte aber noch immer nicht um. Dann las sie sich noch mal zweimal den Text durch und guckte sich noch einmal total lange das Bild an. Dieser Text musste ihr bestimmt sehr gut gefallen.
Als nächstes stoppte sie auf Seite 24 „Ach ist das ein schönes Kleid“, flüsterte sie, als sie das Bild über dem Text „Ein Traum von Tüll und rosa Rüschen“ betrachtete. Das Kleid war rosa und wunderschön. Die meisten Lesemoderatinas mochten Rosa, deshalb war es für sie ein Grund auszuflippen. Dann sagte sie noch „Das Thema `Panorama` ist immer noch mein Lieblingsthema“. Mit leuchtenden Augen las sie den Text durch.
In den nächsten Tagen holte sie immer ihre Zeitung an dem gleichen Briefkasten. Die armen Leute die dort wohnten, sie bekamen gar nicht mehr die Zeitung zu sehen. Aber ein paar Tage später zogen die Leute aus. Inzwischen wusste die Lesemoderatina schon, wo ein Zeitungsladen war. Bloß wunderten sich die Leute immer, wie eine Zeitung von selber aus einem Kiosk kam, da die Lesemoderatina so klein war. Es darf aber immer nur die MAIN-SPITZE sein.