Spanische Flamenco-Tänzerin Melanie Delgado bringt südliches Temperament nach Deutschland

In Spanien nimmt man es bekanntlich mit der Pünktlichkeit nicht ganz so genau wie hierzulande. So scheint es beinahe normal, wenn der Vorhang erst um 20.25 Uhr aufgeht und nicht wie angekündigt um 20 Uhr. Melancholische Gitarrenklänge begleiten dann traurigen Klagegesang. Es klingt, als hätte jemand Schmerzen. Und tatsächlich, im Flamencogesang geht es hauptsächlich um den Ausdruck von Leid, Trauer, Schmerz und Verlust.
So, nun ist es soweit, eine zierliche Frau betritt die Bühne. Es ist Melanie Delgado, Flamenco-Tänzerin und -Lehrerin. Voller Pathos bewegt sie sich vom Bühnenrand langsam in Richtung Bühnenmitte. Sie stampft einmal kräftig mit dem rechten Fuß auf – dann herrscht absolute Stille. Nach etwa fünf Sekunden, die sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlen, explodiert ein Feuerwerk. Wie von der Tarantel gestochen tanzt Melanie Delgado die Bühne hinauf und herunter. Komplizierte Fußstepptechnik, die mit bloßem Auge gar nicht nachzuvollziehen ist, grazile Arm- und Körperbewegungen und vor allem theatralischer Ausdruck in ihrer Mimik und Gestik erzeugen Wirkung bei „Hochs“ und „Tiefs“ der Emotionen.
Begeistert vergisst man sogar die Verspätung, die anfangs schon etwas genervt hatte. Eine grandiose Darbietung geht nach etwa 50 Minuten zu Ende. Tosender Applaus im ausverkauften Saal. Der Gitarrist, der Sänger und Melanie Delgado schreiten Hand in Hand zum vorderen Bühnenrand und verbeugen sich. Und plötzlich macht sich ein Lächeln auf dem Gesicht der Tänzerin breit. Hätte man gar nicht gedacht, dass sie nach einer solchen Darbietung fertig bringt, was sie sonst andauernd und gerne tut. Wer sie kennt, weiß das.
Jedenfalls freue ich mich auf nächsten Freitag. Dann ist wieder mein Flamencounterricht. Und ich werde Melanie Delgado dann noch zu dem Abend und zu ihrem Auftritt so einige Löcher in den Bauch fragen. Gott sei Dank hat sie nämlich auch Geduld.
Maria-Celeste Mastrorilli, Klasse 7d