AUFTAKT Vierwöchiges Verlagsprojekt „Schüler lesen Zeitung“ startet in der Rambacher Adolf-Reichwein-Schule

Von
Patrick Körber
WIESBADEN. Der ganze Klassenraum ist Zeitung. Ob Stühle, Tische, Tafel, der Globus oder ein Stativ – alles ist in Zeitungspapier verpackt. An den Wänden ist kein Fleckchen mehr frei. Überall ist der Wiesbadener Kurier. Das klassenraumgroße Kunstwerk haben die Viertklässler der Adolf-Reichwein-Schule in Rambach mit Hilfe der Referendarin Anna Stoll geschaffen. Zehn Stunden Fleißarbeit – acht Kinder kamen sogar freiwillig nachmittags, um zu helfen. 15 Kilogramm Zeitungspapier und 30 Rollen Kreppband investierten die Schüler für ihre gestrige Auftaktveranstaltung des Projekts „Schüler lesen Zeitung“.
Seit Montag bekommen 51 Wiesbadener Grundschulklassen – rund 1300 Schüler – den Wiesbadener Kurier frei Haus geliefert. Vier Wochen lang beschäftigen sie sich bei dem Projekt der Verlagsgruppe Rhein Main mit dem Thema Zeitung.
Und das Mit-der-Zeitung-beschäftigen heißt, Fragen stellen. So wollte Jan gleich wissen: „Warum habt Ihr Eure Zeitung anders gestaltet?“. Die Frage beantwortete Chefredakteur Stefan Schröder, der zu der Auftaktveranstaltung nach Rambach gekommen war. „Damit auch junge Leser die Zeitung interessant finden“, war einer von vielen Gründen, die Schröder nannte. Und Maurice hakte nach, als er vom Chefredakteur hörte, dass die Druckmaschinen größer als ein Haus sind: „Wie passen die Maschinen denn in ein Haus, wenn sie größer als ein Haus sind?“ Franka wollte hingegen sofort wissen, wie viele Quadratmeter die Druckerei groß ist. All diese Fragen, auch wie viel Farbe beim Drucken von 60000 Kurier-Exemplaren verbraucht werden, können sie sich noch mal vor Ort beantworten lassen, wenn sie das Druckzentrum in Mainz-Mombach besuchen.
Die gestellte Frage, warum der Kurier Rätsel in der Zeitung hat, konnten die Kinder der 4 d sogar selbst beantworten. „Weil es den Lesern Spaß macht.“ Ferner fragten die Grundschüler, was passiert, wenn im Kurier mal der Strom ausfällt, ob Redakteure alles aufschreiben oder auch mal per Diktaphon aufnehmen. Unter dem Motto „Zeitung erobert die Schule“ hat die Referendarin Anna Stoll das Projekt in ihrer Klasse gestartet und viele Ideen für die Umsetzung entwickelt: Die Schüler pinnen die wichtigsten Artikel täglich an eine Litfaßsäule. Zwei Kinder holen jeden Morgen die Zeitung in die Klasse. Zwei andere Schüler übernehmen den Archivdienst. Jeden Tag gibt es für die Kinder eine Quizfrage zur Zeitung, die sie beantworten sollen. Da in der Zeitung Wörter vorkommen, die Kinder nicht kennen, haben die Schüler eine Nachschlageecke eingerichtet mit Duden und Lexika. Und während des Projektes gestalten die Kinder eine Seite, die der Kurier mit seinem neuen Layout erst eingeführt hat: „Der Kurier in 5 Minuten“. Hier wählen die Kinder aus, was man unbedingt in fünf Minuten gelesen haben sollte. Die Zeitungsmeldung, die am Auftakttag übrigens auf das größte Interesse stieß, war, dass US-Präsident Barack Obama ein Fan der Zeichentrick-Figur „Spongebob“ ist.