Ein Gespräch mit Karl-Martin Hartmann/Stele wird an Helene-Lange-Schule gebaut/Kosten von 6000 bis 7000 Euro

WIESBADEN. Zugegebenermaßen, wir waren skeptisch, als wir uns an diesem Morgen auf den Weg zu unserem Interviewpartner machten. Was hat man sich unter einem Künstler wie Karl-Martin Hartmann vorzustellen? Einem Künstler, der sich aktiv für Toleranz einsetzt, der versucht, mit dem Bau von Stelen Symbole zu setzen, doch hauptberuflich die Fenster in großen Kirchen gestaltet?
Karl-Martin Hartmann und seine Frau empfangen uns sehr herzlich in ihrem Atelier. Es ist ein großer, heller Raum, an dessen Wänden farbenfrohe Bilder hängen – Werke von Hartmanns Frau. Den Wiesbadener hat es den größten Teil seines Lebens in seiner Geburtsstadt gehalten. „Wiesbaden ist meine Heimat, dieses Haus ist meine Heimat, und ich denke, ich bin auch in dem, was ich tue und was ich denke, von diesem Ort geprägt worden und würde diese Prägung gerne weitertragen“, sagt Hartmann. „Mit meiner Kunst könnte ich mir vorstellen, auch in New York zu sein, aber wohnen wollen würde ich dort nicht.“
Karl-Martin Hartmann gewinnt vom ersten Moment an unsere Sympathie und lässt unsere anfängliche Befangenheit verschwinden. Der Künstler antwortet bereitwillig auf unsere Fragen und wirkt sehr gelassen. Auf die Frage nach seinem Interesse für Kunst und seinem Weg dorthin antwortet er uns: „Mein Interesse für Kunst zeigte sich am Ende meines Biologiestudiums. Ich traf die Entscheidung, obwohl ich in Biologie schon ziemlich weit gekommen war, zu sagen: `Okay, hier hört es auf, ich versuche den anderen Weg, nämlich den in der Kunst`“, erzählt der Künstler.
Hartmann machte 1967 sein Abitur, verweigerte den Militärdienst und begann sein Biologiestudium. Im Jahre 1975 machte er sein Diplom in Mikrobiologie. Drei Jahre später beschloss der Sohn eines Malers und Graphikers, ein Kunststudium zu beginnen. Während seines Studiums stieß er durch einen seiner Professoren auf das Medium Glas. Mit Glas arbeitet er bis heute, dazu kamen seine Stelen, die riesigen silber-roten Säulen aus Stahl. Aus seiner Arbeit mit Stelen resultierte dann das Projekt „Stele für Wiesbaden“ und schließlich das Projekt „Stele für Toleranz“.
Hartmann ist ein Künstler, dem etwas daran liegt, durch seine Kunst eine Nachricht zu verbreiten. Er möchte für Toleranz werben. Besonders wichtig ist es ihm, diese Nachricht an Schulen zu transportieren. „Denn wo ist es wichtiger, für Toleranz zu werben, als bei offenen, jungen Menschen?“ Das möchte er auch mit dem Bau der sechs Meter hohen Stele an der Helene-Lange-Schule bezwecken. Niemand solle später sagen können: „Ich wurde nie darauf aufmerksam gemacht, dass es so etwas wie Toleranz gibt.“
Zu dem Bau der Stelen an den Schulen soll es auch noch ein Internetportal geben, an dem sich alle Schulen beteiligen können und auch versuchen können, andere Schulen dafür zu gewinnen.
Hartmann überreicht uns einen Karton voller kleiner Anstecknadeln in Form von Stelen. Sie sind das Symbol seines Projektes. Ein eindeutiges Symbol, das vielleicht irgendwann weltweit verstanden wird. Auch wenn das vielleicht etwas hoch gegriffen klingt, scheint es doch realistisch.
Natürlich ist der Bau jeder neuen Stele auch eine Frage von Geld, da eine Stele zwischen 6000 und 7000 Euro kostet. Dafür gibt es eigens den Förderverein „Stele für Wiesbaden“, der Spenden sammelt.
„Wir hoffen, dass in den Schulen vielleicht auch einmal Spenden gesammelt werden, damit wir nicht immer in Vorlage treten müssen. Wir brauchen auch viele kleine Spenden, denn bei so einem Projekt zählt jeder Euro“, sagt Hartmann.
Allerdings scheint Hartmanns Projekt auf einem guten Weg zu sein, auf dem Taunuskamm entsteht eine große Stele und neben der Helene-Lange-Schule wird auch an anderen Schulen der Bau einer Stele geplant. So werden wir also auch in Zukunft von Karl-Martin Hartmann hören.
Elena Packhäuser, Arisa Purkpong und Simon Faber, 8b der Helene-Lange-Schule