Das Bild der Fernseh-Sissi ist nicht mehr als ein Klischee/Elisabeth war zutiefst unglücklich

WIESBADEN. Die 1837 geborene Kaisern Elisabeth von Österreich wird heute oft als eine andere Person wahrgenommen als sie Zeit ihres Lebens war. Seit der Sissi-Trilogie der 1950er Jahre, in welcher Romy Schneider die Rolle der „Sissi“ spielte, sehen viele Menschen die Kaiserin als einen lebenslustigen, fröhlichen Menschen, der stets am Guten interessiert war.
Der naturverbundenen, schönen Kaiserin des Filmes wird nachgesagt, sie wäre immer fröhlich, zuweilen sogar hyperaktiv gewesen. Die schöne Kaiserin fühlt sich in den ersten beiden Teilen der Trilogie („Sissi“ und „Sissi, die junge Kaiserin?“) stark zu ihrem Mann Franz Joseph hingezogen. Im letzten Teil der Verfilmung („Schicksalsjahre einer Kaiserin?“) erweitert sich ihre Zuneigung auf ihre Kinder. All diese Handlungen der Filme werden von vielen Menschen für wahr genommen. Sie denken bei dem Namen der Kaiserin Elisabeth von Österreich stets an die Sissi des Filmes. Die Vorstellung von der Sissi ist falsch. Die Kaiserin war vielmehr eine tragische Persönlichkeit: Mit 16 Jahren heiratete Sissi ihren Cousin Franz Joseph, den jungen Kaiser von Österreich. Von diesem Zeitpunkt an, nahm das Leben der Kaiserin einen tragischen Verlauf. Mit dem formellen Zwang des Wiener Hofes war sie überfordert. Nachdem sie mit 17 ihr erstes Kind gebar, kam sie in Konflikte mit ihrer Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie. Aufgrund zunehmender Gesundheitsbeschwerden wurde Sissi mit der Diagnose eines Lungenleidens zu einer Kur nach Madeira geschickt. Dies war der Anfang einer endlosen Reise für die Kaiserin. Von Madeira aus besuchte sie die griechische Insel Korfu, danach Venedig und schließlich Bad Kissingen. Nach über zwei Jahren kehrte die Kaiserin zurück an den Wiener Hof. Sie begann Ungarisch zu lernen und entdeckte ihre Leidenschaft für dieses Land, so dass sie sich fortan stets für die Ungarn einsetzte. Sissi sprach sich, als einzig politische Tat in ihrem Leben, für eine Doppel-Monarchie zwischen Österreich und Ungarn aus. Diese sollte habsburgisch geführt sein. Als dieser Vorschlag angenommen wurde, krönten die Ungarn Sissi und Franz Joseph zum ungarisches Königspaar. Das Jagdschloss Gödöllo wurde beiden als Dank der Ungarn geschenkt. Das Schloss wurde zum häufigen Aufenthaltsort der Kaiserin. Die Kaiserin verweilte mit fortgeschrittenem Alter selten mehr als für zwei Wochen an einem Ort. Sie litt an Depressionen und an einer Blickphobie. Daher trug sie immer einen Schirm bei sich, um sich selber zu verbergen. Die Kommunikation mit ihr wurde durch einen Fächer erschwert. Der Selbstmord ihres Sohnes, des Thronprinzen Rudolfs, verschärfte die Situation. Sissi ritt viel, legte lange Gewaltmärsche zurück und übte sich im Degenkampf. Doch konnten ihr all diese Sportarten auf Dauer nicht dem Drang zum Reisen nehmen. In einem Jahr besuchte sie mehr als 18 unterschiedliche Länder.
Sissi floh vor ihrem Leben, der Pflicht und dem Wiener Hof. 1898 wurde die Kaiserin, im Alter von 61 Jahren, von dem italienischen Anarchisten Luigi Luenchi in Genf ermordet. Der Italiener verübte diese Tat aus einem tiefen Hass auf den Adel heraus. Sissi war ein zutiefst missverstandener Mensch, der an sich selbst und an seiner Umwelt zerbrach.
Hannah Stumpf, Klasse 8c der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden