BALI Einheimische bleiben auch in Zeiten eines Vulkanausbruchs gelassen und sorgen sich mehr um die Touristen

Von Nico Frohberg, Justus-Liebig-Schule 8b

DARMSTADT. Die Probleme der Urlauber auf Bali angesichts des ausbrechenden Vulkans Gunung Agung – dem „großartigen Berg“ – sind inzwischen vieldiskutiert und -dokumentiert. Aber wie geht es eigentlich den Balinesen in dieser Zeit? Für sie ist ein Vulkan der Sitz der Götter – wie viel schwerer muss dann eine solche Naturkatastrophe wiegen? Bali ist als hinduistische Enklave in ein mehrheitlich islamistisches Indonesien eingebettet und zeichnet sich durch eine einmalige, öffentlich gelebte und praktizierte Religion aus, die das tägliche Leben der Menschen dort außerordentlich prägt. Jede Familie hat einen eigenen Tempelbereich, in dem sie den Göttern und ihren verstorbenen Angehörigen – jedem gemäß seiner Vorlieben und Schwächen – bei den täglichen Opfergaben gedenkt. Die Wärme und Freundlichkeit, die diese Menschen ausstrahlen, wird auch von Dingen wie Bombenanschlägen oder Vulkanausbrüchen kaum getrübt – ein unerschütterlicher Optimismus ist den Balinesen eigen. Aktuelle Gespräche mit Einheimischen zeigen, dass sie in der Regel mehr um das Wohlbefinden des Fragenden besorgt sind und die Nachfragen nach den eigenen Problemen nicht so ganz nachvollziehen wollen. Aus ihrer Sicht ist alles von den Göttern gewollt und man kann diese zwar durch Zeremonien und Opfergaben zu besänftigen versuchen, aber wenn es denn der göttliche Wille ist, dann wird es eben zu einem Vulkanausbruch kommen. Wo wir nach Absicherung suchen und uns fragen, wie wir denn sicher und rechtzeitig nach Hause kommen werden, sieht ein Balinese das ganze im großen Zusammenhang und stellt seine eigenen Wünsche oder Interessen hintenan: die Götter haben einen Plan und den akzeptiert man und macht das Beste daraus. Bali ist eine arme Insel, die hauptsächlich vom Tourismus profitiert: neben der boomenden Bauindustrie und den Exportartikeln wie Schnitzereien, Reis, Gewürzen und dem berühmten Kopi Luwak-Kaffee ist für viele Balinesen das tägliche Auskommen durch ein eigenes Stück Feld mit Reisterrasse und viel harter Arbeit geprägt. Gerade hier muss eine solche drohende Naturkatastrophe ohne das uns bekannte deutsche Versicherungswesen schlimme Folgen für jeden einzelnen haben. Ich habe mit Menschen gesprochen, die in Hotels arbeiten, teils weit von der eigenen- Familie entfernt. Aber auch hier ist weniger Beunruhigung zu spüren als erwartet. Auch mit einem vor vielen Jahren nach Bali ausgewanderten Schweizer habe ich gesprochen, der dort seinen Lebensunterhalt mit geführten Kübelwagen-Touren verdient. Zwei Vulkane, eine Magmakammer Natürlich sieht er die Situation deutlich westlicher und besorgter, aber auch er wünscht sich hauptsächlich, dass Bali sich trotz der wachsenden Angst und Verunsicherung der Menschen weiterhin als die wunderschöne Insel der Götter mit den beiden herausragenden Zwillingsvulkanen Gunung Agung und Gunung Batur, die beide aus der selben Magmakammer gespeist werden, in ihrer vollen Schönheit bei den stets herzlich willkommenen Besuchern aus aller Welt und allen Glaubenszugehörigkeiten präsentieren kann: ganz im Sinne von Om Swastiastu – die Götter segnen Dich.