Viele Kinder leiden schon früh unter Übergewicht / Schlankheitsideal treibt viele Jugendliche in die Magersucht

WIESBADEN Zehn bis 20 Prozent aller Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Bei sieben bis acht Prozent liegt bereits eine Adipositas vor, das heißt sie sind stark übergewichtig. Schulkinder sehen zirka zwei Stunden täglich fern, anstatt Sport zu treiben und viele konsumieren dazu noch Kalorienbomben. Fruchtzwerge, Cornflakes, Kinderschokolade oder Fanta, Cola, Sprite – sie alle bestehen zum größten Teil aus Zucker. Allein ein Liter Cola enthält etwa 42 Würfelzuckerstücke.
Geht das so weiter, wird in 40 Jahren jeder zweite Erwachsene an Fettleibigkeit leiden. Doch Übergewicht ist keinesfalls nur ein ästhetisches Problem sondern hat auch gesundheitliche Folgen. Herz und Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck. Auch das Krebsrisiko ist deutlich erhöht. Diabetes Typ-2 kommt jetzt auch zunehmend bei Jugendlichen und Kindern vor. Viele Kinder haben schon früh motorische Defizite und Koordinationsstörungen. Durch Übergewicht wird der Haltungs- und Bewegungsapparat überstrapaziert, die Folgen sind Schäden an den Gelenken.
Aber die ungesunde Ernährung der Deutschen verursacht auch Kosten in Milliardenhöhe. Die Burda-Stiftung schätzt, dass rund ein Drittel der jährlichen Krankenkassenausgaben auf das Konto von Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel geht.
Doch die Körperfülle treibt auch die Flugkosten in die Höhe, vor allem die USA haben Kosten von 275 Millionen Dollar weil ein amerikanischer Erwachsener heute fast fünf Kilo mehr wiegt als vor zehn Jahren. Die Airlines verbrauchen dadurch entsprechend mehr Kerosin.
Eltern übergewichtiger Kinder müssen begreifen, dass Übergewicht ein gesundheitliches Risiko ist. Sie müssen ihren Kindern helfen, diese Hürde zu überwinden. Dazu müssen die Kinder keinesfalls hungern, sondern ihre Essgewohnheiten ändern. Das funktioniert nur, wenn die Eltern ein gutes Ernährungsverhalten vorleben. Um Fett und Zucker zu reduzieren, sollten sie auf versteckte Fette in Wurst und Käse oder „leckere Snacks“ achten.
Jedoch genauso schlimm wie Übergewicht ist das andere Extrem: Magersucht. Rund 100 000 Menschen in Deutschland leiden an Anorexie (Magersucht). Einer Essstörung, bei der die betroffenen möglichst wenig essen und das Hungergefühl unterdrücken. Sie sehen sich trotz der rapiden Gewichtsabnahme als „fett“ im Spiegel. Die Ursachen der Magersucht sind verschieden, manchmal ist es die biologische Veranlagung, aber oftmals sind es psychische Probleme in der Familie oder unter Freunden, aber auch gesellschaftliche Einflüsse, wie Werbung oder die ProSieben-Show „Germanys next Topmodel“ spielen eine Rolle. Durch das immer schlanker werdende Schönheitsideal wollen viele Mädchen abnehmen, sogar schon Neunjährige machen sich Gedanken über ihre Figur.
Knapp zwei Drittel der weiblichen Jugendlichen bis 18 Jahre haben nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen mindestens eine Diät zur Gewichtsreduzierung durchgeführt. Doch was mit einer Diät anfängt, kann sich steigern und schlimm enden. Anorexie hat viele gesundheitliche Folgen, wie zum Beispiel bleibende Schädigungen der inneren Organe, Störungen der Herzfunktion und Depressionen. Außerdem wird dabei Muskelmasse abgebaut und sogar Selbstmord ist keine Seltenheit mehr. Bei Frauen kann die Menstruation ausbleiben und im Extremfall können sie unfruchtbar werden.
Aber nicht nur Frauen sind betroffen, fünf bis zehn Prozent der Magersüchtigen sind Männer – Tendenz steigend. Bei ihnen wurde außer oben genannten Erkrankungen wie Störung der Herzfunktion, Impotenz beobachtet. Die Gründe der Magersucht bei Männern sind in einer Verunsicherung der männlichen Rollenidentität zu vermuten. Das Erreichen der Wunschfigur wird mit Durchsetzungsfähigkeit, Stärke und Erfolg verbunden. Zunächst haben Männer vor der Magersucht den Adonis-Komplex, welcher erst einmal zur Muskelsucht führt, bei der versucht wird, durch eine spezielle Nahrungsauswahl den Muskelaufbau zu fördern. Das heißt, sie müssen auf bestimmte Genussmittel verzichten, dies wiederum führt zu impulsiven Fress-Attacken, nach denen dann ein innerer Kampf um die Kontrolle über den Körper entflammt. Dabei gerät die vorige Muskelsucht in den Hintergrund.
Die Magersucht stellt den Sieg der Selbstdisziplin dar. Wie bei der Adipositas muss auch hier das Essverhalten neu gelernt werden.
Weitere Informationen finden sie im Internet unter:
www.adipositas-online.de www.adipositas-gesellschaft.de www.magersucht-online.de www.hungrig-online.de

Laura Fritz, Klasse 8e der Gutenbergschule, Wiesbaden