SCHÜLER LESEN ZEITUNG Auftaktveranstaltung im Gymnasium am Römerkastell

Von
Armin Burkart
ALZEY. Sehr gut vorbereitet und ungewöhnlich in der Machart, das war gestern der Auftakt im Gymnasium am Römerkastell für „Schüler lesen Zeitung“. Mit Musikbeiträgen und selbst gemachten Sketchen zeigten die Schülerinnen und Schüler eine gehörige Portion kreatives Potenzial. Studiendirektorin Elisabeth Kolb-Noack stellte eingangs der Veranstaltung Fragen, die sich bestimmt auch jeder Schüler stellen könnte, wird er mit dem Projekt „Zeitung in der Schule“ konfrontiert: Brau- chen wir im Zeitalter des Internets noch Zeitung?“ Die Antwort kam von den Schülern.
Im Mittelpunkt von drei Szenen stand jeweils das Alzeyer Schloss: Da beklagt der Alzeyer Bürgermeister des Jahres 1900, dass das im pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörte Schloss von den Alzeyern als Steinbruch genutzt wird. „Die Leute holen dort ihre Steine und bauen damit ihre Häuser. Bald wird von der Ruine nichts mehr übrig sein.“ „Macht nichts“, meint eine Dame aus der gleichen Epoche, „da wohnen ja doch nur die Reichen drin.“
Die zweite Szene spielt nur ein Jahr später, um 1901, als sich die Obrigkeit zum Wiederaufbau durchgerungen hatte. Der Gewerbeverein hat die Alzeyer Handwerker eingeladen und die befinden zunächst einmal, dass für den Wiederaufbau ja gar kein Geld da ist. „Das führt nur zur Steuererhöhung und wir werden noch mehr ausgequetscht.“ Erst als die Zeitung andeutet, dass ein Mainzer Unternehmen den Auftrag für den Gerüstbau bekommen soll, weil in Alzey keine Kapazitäten vorhanden sind, bekommt die Sache eine Wendung. „Wir brauchen doch dazu keine Mainzer, wir sollen den Aufbau bezahlen und die kassieren das Geld!“ „Wir in Alzey, in der heimlichen Hauptstadt Rheinhessens, brauchen ein Wahrzeichen, und wir Handwerker können den Aufbau allemal bewerkstelligen.“ Die Stimmung unter den Handwerkern kippt – pro Schloss. Aber auch in der Bevölkerung findet man Gefallen an dem Projekt. Die junge Dame gerät mit ihrer Freundin ins Schwärmen: „Wäre doch toll im Schlossgarten eine Mondnacht zu genießen…“
1901 kann der Amtsrichter schon wieder die ersten Räume beziehen. Der Blick in die Gegenwart, in der dritten Szene macht deutlich, die Alzeyer lieben ihr Schloss, es ist Mittelpunkt für sie, historisches Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Aus dem Sketch der Schüler ist unter Anleitung von Dr. Schmahl ein viel beachtetes „Abfallprodukt“ geworden, eine Schülerarbeit über die Epochen des Schlosses, die im Juni in einer Ausstellung in der Volksbank zu sehen ist.
Die Schüler resümieren und kommen zurück auf das Zeitungsprojekt: „Die Vorbereitungen haben viel Spaß gemacht, jetzt freuen wir uns jeden Tag die Zeitung zu haben, die Inhalte zu analysieren und auszuwerten, uns mit dem Tagesgeschehen zu beschäftigen, zu erfahren, was um uns herum vorgeht. „Und wir dürfen sogar selbst Artikel schreiben, das ist das Beste am ganzen Projekt“, freut sich ein Schüler. Gefördert wird „Schüler lesen Zeitung“ von der Sparkasse Worms, Alzey, Ried und weiteren Sponsoren. Insgesamt 13 Schulen beteiligen sich mit 25 Klassen und rund 500 Schülern.