ERFAHRUNG Ein Tag bei den körperbehinderten Schülern der Edith-Stein-Schule Hochheim

Immer mehr junge Menschen trudeln ein und begrüßen sich. Es ist Montagmorgen, 8 Uhr. Einige der Jugendlichen sind noch ziemlich verschlafen, deswegen gibt es ein paar Crashs mit den Rädern. Denn alle wollen gleichzeitig durch die Türen, die in ihre Klassensäle führen. Geduld und Respekt dem Mitschüler gegenüber Die Edith-Stein-Schule gehört zum Antoniushaus Hochheim, einer Einrichtung für 130 körperbehinderte Jugendliche, die hier ihren Hauptschulabschluss, die mittlere Reife oder ihr Fachabitur machen. Doch nicht nur behinderte Schüler, sondern auch 20 Nichtbehinderte besuchen die Schule. Horst Geisler, Manager des neuen Schulzweigs mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik betont: „Es ist eine Spezialität von uns, dass wir sie gemeinsam beschulen.“ Sechs Jugendliche, die an Einzeltischen sitzen, die auf ihre Größe abgestimmt sind, hören ihrer Lehrerin gebannt zu. Weil die Klassen so klein seien, könne sie jeden einzelnen Schüler viel besser fördern, erklärt die Lehrerin erfreut. Bei einer kleinen Diskussion vertritt jeder der sechs Schüler seine Meinung. Manchmal dauert es etwas, bis die einzelnen Schüler ihre Argumente los sind, doch die Jugendlichen hören sich gegenseitig zu und sind geduldig. Wenn einer stockt, hilft ihre Lehrerin ihnen auf die Sprünge. Im Sommer werden die sechs Klassenkammeraden und Freunde getrennte Wege gehen. Drei der sechs Schüler werden die Berufsfachschule besuchen und versuchen, ihre mittlere Reife zu machen. Zwei werden eine Ausbildung in der Behindertenwerkstatt in Neuwied beginnen. Neuer Schwerpunkt bei der Sozialpädagogik Marc weiß noch nicht so recht, was er nach diesem Schuljahr machen will. Anna, die den neuen Ausbildungsgang mit dem Schwerpunkt sozialpflegerische und sozialpädagogische Berufe besuchen wird, meint: „ Zum Glück gibt es jetzt den neuen Zweig, denn das Rechnungswesen liegt mir nicht so.“ Worauf ihre Klassenkameraden samt Lehrerin lachen müssen. „Wir haben in den letzten Jahren erfahren, dass viele junge Menschen auf unserer Schule das Bedürfnis haben, andere Menschen mit einer Behinderung zu betreuen, weil sie selber ja schon ihr Leben lang Hilfe bekommen“, erklärt Horst Geisler. Auch das Unterrichtsfach Sport wird wie auf jeder Schule erteilt. „Dazu fassen wir immer drei Klassen zusammen, damit die Gruppe größer ist und diese teilen wir dann. Die eine Hälftemacht Sport, die anderen gehen schwimmen“, berichtet Horst Geisler. Im Schwimmbad trainieren die Schüler ihre Ausdauer, machen ihr Schwimmabzeichen oder die Sportlehrer führen ihre Schützlinge langsam an das Wasser heran. Erstaunlicherweise gibt es auch auf dem Trockenen viele Sportarten für die Rollis. So spielen die Jugendlichen Hockey und Basketball in ihren Rollstühlen. Horst Geisler erzählt begeistert: „Die Rollis sind echt ein tolles Sportgerät. Mit ihnen kann man mal so richtig Power geben und man ist trotzdem noch wendig.“ Nach der Schule können die sportbegeisterten Teenager in der Hockeymannschaft spielen oder ihre Ausdauer in einer Arbeitsgemeinschaft trainieren. Eigentlich wie alle anderen Teenager auch Einige Schüler haben sich in der gemütlichen Sofaecke im Flur versammelt. Mit Kleister, Farbe und buntem Tonpapier werden große Plakate angefertigt. Mit diesen Plakaten wollen sie ihre Mitschüler anfeuern, die beim 24-Stunden Lauf mitfahren oder laufen. Der Benefizlauf wird alle vier Jahre von der Berufsschule organisiert. Dazu benutzen die Rollstuhlfahrer Handbikes und Rennrollstühle. Abschließend meint Horst Geisler: „Ich finde, unsere Schüler sind wie alle Teenager, sie vergessen ihre Hausaufgaben oder Bücher und schreiben auch mal ihre Entschuldigungen selbst.“