SCHÜLER LESEN ZEITUNG Niersteiner Jugendliche erkunden sich bei Gemünden

Von Beate Nietzel

NIERSTEIN. Berufskunde hautnah: Die erlebten am Mittwochvormittag 15 Mädchen und Jungen der Klasse 8e der Carl-Zuckmayer- Realschule plus. Als Ausflug in die Praxis im Rahmen von „Schüler lesen Zeitung“ zeigte Markus Allendorf, Geschäftsführer der Baufirma Gemünden, den Berufsreife-Schülern ausführlich die Baustelle am Niersteiner Schloss. Das Besondere: Die 13- bis 14-Jährigen lernten etliche unterschiedliche Tätigkeiten kennen, denn Allendorf führte sie zu Grundstücken und Häusern in verschiedenen Bauphasen. „Bei unserer Abschlussbesprechung waren alle begeistert“, berichtete danach Regina Würfel, die die Klasse in Physik, Biologie und Deutsch unterrichtet. In höchst unterhaltsamer Weise habe Markus Allendorf es geschafft, den Schülerinnen und Schülern Berufe wie Fliesenleger oder Heizungsbauer, Verputzer oder Elektriker nahezubringen – denn jedes der besuchten Objekte in dem mit Einzel- und Mehrfamilienhäusern gespickten Baugebiet befand sich in einer anderen Entstehungsphase. Hier war erst der Vermesser da, hölzerne Bohlen markieren das künftige Bauvorhaben, „und wo der rote Strich ist, verlaufen später die Außenmauern des Hauses“, erläuterte Allendorf. Dort verrichtete der Fahrer des gelben Baggers den erforderlichen Bodenaushub, dann erkundeten Tiago und Lara, Lukas, Josephine und ihre Klassenkameraden Bauten in unterschiedlichen Stadien. Die Schüler ließen sich von den Handwerkern deren Tätigkeiten erklären, durften die noch unfertige Tiefgarage erforschen, erfuhren, welche Schalldämmung wo erforderlich ist, und ließen sich von Markus Seidel erklären, welche Aufgaben ein Polier auf der Baustelle hat.

Gleich nach Möglichkeiten eines Praktikums gefragt

So angetan seien einige von der Präsentation gewesen, dass sie sich gleich nach Möglichkeiten für das im nächsten Schulhalbjahr anstehende Berufspraktikum erkundigt hätten, berichten Regina Würfel und Katrin Doré, Leiterin der Personalabteilung bei Gemünden, übereinstimmend. Dem steht nichts im Weg: „Lebenslauf und die letzten beiden Zeugnisse vorlegen“, so der Rat Dorés. Und auch die Mädchen konnten sich vorstellen, dass ein Handwerksberuf etwas für sie sein könnte: „Maler oder Fliesenleger, das ist doch durchaus kreativ“, fasst Regina Würfel die Reaktionen zusammen. Nach den Herbstferien begann für die 8e „Schüler lesen Zeitung“, das Projekt der Verlagsgruppe Rhein Main zur Lese- und Medienkompetenz-Förderung für Schulen der Region, dem Partner aus Wirtschaft und Dienstleistung angeschlossen sind. Noch bis kommende Woche haben die insgesamt 19 Mädchen und Jungen der Berufsreife-Klasse, die nach Ende der neunten Jahrgangsstufe ins Arbeitsleben starten, jeden Morgen ein Exemplar der Allgemeinen Zeitung auf ihrem Pult liegen. „Viele kannten das von zuhause nicht und waren erst zurückhaltend“, berichtet Regina Würfel, doch dann sei die Leselust spürbar gestiegen. Besonders die Nachrichten aus der Region stießen auf großes Interesse, die Schüler wüssten nun, „wie toll es ist, Informationen schwarz auf weiß zu erhalten – wie etwa jetzt zum Brand in Guntersblum“.