SCHREIBWETTBEWERB Fünftklässler James Heil vom Gymnasium Taunusstein gewinnt bei „Schüler lesen Zeitung“

Von Sascha Kircher

BLEIDENSTADT. Die Ferien sind gerettet. Kurz vor dem letzten Schultag hat Fünftklässler James Heil doppelt Grund zum Strahlen: Beim Schreibwettbewerb im Rahmen des Projekts „Schüler lesen Zeitung“ holte sich der Taunussteiner den 1. Preis in der Altersgruppe 5. bis 7. Klasse und staubte damit einen iPod Nano ab. Den MP3-Player könne er in den Ferien schon ganz gut gebrauchen, ließ sich der bescheidene Elfjährige bei der Übergabe in seiner Klasse 5c des Taunussteiner Gymnasiums entlocken. Stolz darf der Wehener ruhig sein, immerhin nahmen Schüler aus dem gesamten Verbreitungsgebiet dieser Zeitung, der „Allgemeinen Zeitung“ (Mainz) und der „Main-Spitze“ (Rüsselsheim) teil. Den 1. Platz bei den Acht bis Zehntklässlern belegte eine Achtklässlerin aus dem rheinhessischen Nackenheim.
Bester von insgesamt 52 eingereichten Beiträgen James’ sensibler Beitrag über das harte Schicksal des gleichaltrigen Roma-Jungen Aldo, der als Flüchtling mit einer Familie nach Deutschland kam, bewegte die Jury rechts wie links des Rheins. „Gute Idee: Aus dem Flüchtling wird ein Freund“, lautete ein Urteil der Redakteure. Eine einfühlsame, zugleich differenzierte
Auseinandersetzung mit dem Thema anhand eines Einzelschicksals.“ Sein Freund habe sich inzwischen ein bisschen hier eingelebt, James’ Mama gibt dem Bub und seinen Schwestern Nachhilfe, so dass Aldo den Artikel über sich inzwischen auch schon fast selbst lesen konnte.
Der nun ausgezeichnete Text entstand im Rahmen des Frühjahrsprojekts von „Schüler lesen Zeitung“, an dem James und seine 32 Klassenkameraden wie 68 andere Klassen im gesamten Rheingau-Taunus-Kreis teilnahmen. Dabei haben die Schüler Zeitung gelesen, Artikel ausgewählt, zusammengefasst, nacherzählt – und eigene Texte verfasst. Beim Schreibwettbewerb
wurden 52 Beiträge aus der gesamten Region eingereicht. Von Dinosauriern über Drillinge und Demenz bis zum BKA reichte dabei die thematische Bandbreite. James’ Deutschlehrerin Eva Tuszinski, die das Projekt und das Artikelschreiben in der 5c betreute, freut sich nun, dass sie auch mal mit ihrem Schüler jubeln darf. Zuletzt hat er nämlich gerade erst den englischen Sprachwettbewerb „The Big Challenge“ als Bester seiner Schule gewonnen, hessenweit den 17. und bundesweit den 184. Platz belegt. Außerdem wurde er beim Känguru-Mathematikwettbewerb Klassenbester und Jahrgangssechster. Auf ein Lieblingsfach will sich der Allrounder daher nicht festlegen. Und das Zeugnis halte auch die ein oder andere Drei bereit, kann er Mitschüler beruhigen, die ihn ob der Wettbewerbssiegesserie schon ein wenig kritisch beäugen.
Stolz sind sie allerdings auch, und nachdem feststand, dass der Wettbewerbssieger aus der 5c kommt, war schnell klar, dass das nur „ihr“ James sein könne. Und beim Fototermin feiert die gesamte Klasse den Mitschüler, der bloß nicht zu doll jubeln möchte. Bei Erwachsenen nennt man das Understatement. Wir gratulieren trotzdem!