FRÜHSTÜCK Klasse 8b der Gutenbergschule diskutiert über den Nutzen einer Lokalzeitung für Jugendliche

Von Anke Hollingshaus

WIESBADEN. Einen besonderen Auftakt der Aktion „Schüler lesen Zeitung“ für die weiterführenden Schulen hatte sich die Klasse 8b der Gutenbergschule mit ihrem Deutschlehrer Heiko Knoll ausgedacht. Nicht wie sonst meistens üblich eine reine Befragung der Redakteurin und weiterer Gäste, die zum Zeitungsfrühstück gekommen waren, sondern eine offene „Fischbowl“-Diskussion. Eine spezielle Art zu diskutieren mit einer Pro und einer Contra Gruppe und zwei leeren Stühlen, die jeweils dann von Außenstehenden besetzt werden können, wenn sie sich ins Gespräch einbringen wollen. Das Thema: Brauchen Schüler der achten Klasse eine lokale Tageszeitung oder nicht?

Nicht ganz einfach für Lokalredakteurin Anke Hollingshaus, für Tatjana Heyer, die für das Unternehmen Süwag in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit tätig ist, und für Sarah Spira von der Leseförderung der Verlagsgruppe Rhein Main. Süwag unterstützt „Schüler lesen Zeitung“ seit vielen Jahren.

Schnell ist klar: Es geht bei der Diskussion um Zeitung contra Internet. So sehen es zumindest die meisten aus der 8b, die mit dem Internet viel mehr zu tun haben, als mit einer gedruckten Zeitung. Dass längst alle Zeitungsverlage Online-Ausgaben haben, bei Facebook vertreten sind sowie Apps für die Smartphoes anbieten, das war vielen nicht so präsent.

Von der Zeitung müssen viele überzeugt werden

„Im Internet gibt es doch viel mehr Meinungen, viel mehr Kommentare, da kann ich mir raussuchen, was mir gefällt“, meint eine Schülerin aus der Contra-Zeitungs-Gruppe. „In der Zeitung muss ich viel zuviel suchen. Im Internet kommt die Information zu mir“, sagt ein anderer. Aber auch andere Stimmen werden laut: „Wenn du eine gedruckte Zeitung vor dir hast und diese wirklich liest, konzentrierst du dich doch viel mehr, als wenn du auf deinem Smartphone herumguckst.“ Stimmt auch wieder. Beim Amoklauf von München, bei dem ein 18-Jähriger neun Menschen und sich selbst erschossen hat, meinte eine Schülerin aus der Contra-Runde, da sei das Internet doch viel schneller gewesen mit den Informationen. Spätestens jetzt ist es Zeit für die Lokalredakteurin, sich einzuschalten. Viele der im Internet kursierenden „Live-Berichte“ dieses Geschehens hatten sich im Nachhinein als Falschmeldungen erwiesen, die viele Münchner unnötig in Angst versetzt hatten. Die Jugendlichen von der Tageszeitung zu überzeugen, ist gar nicht so leicht. Dann versuchen wir’s mit einem Thema, das sie unmittelbar betrifft. Wer entscheidet denn, ob die Schule saniert wird oder nicht? Nicht der Schulleiter, sondern die Stadtverordneten im Wiesbadener Rathaus. Und hierüber kann man sich in einer lokalen Tageszeitung informieren. Das leuchtet einigen Schülern ein, die sehr diszipliniert und geleitet von umsichtigen Moderatoren diskutieren. Aber, beharren sie: „Ihr habt was für die ganz Jungen, die Kinderzeitung Kruschel. Und Ihr habt was für die Erwachsenen, die Tageszeitung. Für uns habt ihr kein Angebot.“

Interessiert am Alltag in der Redaktion sind die Achtklässler sehr: Maria-Paula und Luisa haben Fragen gesammelt und wollen viel über den täglichen Ablauf und über die Recherche wissen. Auch die PR-Fachfrau von Süwag wird über ihren Arbeitsalltag befragt.

Fazit, wie es eine Schülerin zusammenfasst. „Läuft man ohne Zeitung dumm durch die Welt? Vielleicht nicht, aber so ein-, zweimal in der Woche sollte man sie doch lesen.“ Und dann gab’s für alle noch ein leckeres Frühstück.