SCHÜLER LESEN ZEITUNG Kinder aus der Erich-Kästner-Schule besuchen den Frankfurter Flughafen und sprechen mit Mitarbeitern

KRANICHSTEIN. Ausgestattet mit Warnweste, Klemmbrett und Stift läuft Meret (12), Schülerin der Erich-Kästner- Schule, über das Gelände des Frankfurter Flughafens. Bei sommerlichen Temperaturen interviewt sie gemeinsam mit ihren Mitschülern Mitarbeiter der Fraport AG zu Winterdienst und Enteisung.

Die Sechstklässler nehmen am Projekt „Schüler lesen Zeitung“ der VRM teil und dürfen sich einen Tag lang wie echte Journalisten fühlen. „Es ist schon komisch, dass wir an solch einem sonnigen Tag hier sind. Aber wir wollen ja rausfinden, was die Arbeiter im Sommer machen“ sagte Meret.

Treffen mit Mitarbeitern des Winterdienstes

In einem Bus, der normalweise Flugreisende transportiert, werden Schüler der Integrierten Gesamtschule in Kranichstein zunächst an den Rand des Rollfelds gebracht. „Wir müssen jetzt alle durch die Sicherheitskontrolle“, erklärt Dominic Wohlleben, der bei Fraport für die Unternehmenskommunikation verantwortlich ist und die Gruppe mit seinem Kollegen Rainer Gomolluch begleitete.

Die Hälfte der Gruppe machte sich auf, um mit Mitarbeitern des Winterdienstes zu sprechen, der Rest wird von den Enteisungsspezialisten von „N*ICE“ erwartet. „Die Schüler können lernen, was Schnee und Eis im Flugbetrieb auslösen können und dass die Kollegen auch in den warmen Jahreszeiten viel zu tun haben“, sagt Wohlleben. „Ich dachte erst: ‚Wieso machen wir das?‘“, sagte Matey (13). Aber seit dem Besuch von Wohlleben in seiner Klasse sei er doch gespannt. „Unsere Artikel kommen vielleicht ins Darmstädter Echo“, sagt Matey stolz. Vier Wochen lang liest die Klasse 6c mit Klassenlehrer Pascal Neuheisel die Zeitung. Das Projekt soll die Kinder im Umgang mit Medien schulen. Paarweise werden sie nach ihrem Ausflug im Deutschunterricht Artikel schreiben. „Ich fühle mich gerade wie ein richtiger Journalist“, sagte Matey.

Auf dem Rollfeld warten Sascha Schäfer und seine Kollegen von „N*ICE“, die für die Enteisung von Flugzeugen zuständig sind. Im Schatten eines Arbeitswagens prasseln Fragen der Schüler auf Schäfer ein. „Was mögen Sie an Ihrem Beruf nicht so?“ will Sümeyye (11) wissen. „Das Nachtflugverbot“, antwortet der Einsatzleiter.

Schäfer versorgt die Schüler mit Informationen zum Enteisungsverfahren. „Was für ein Stress, dieses Mitschreiben“, murmelt Berkay (12). „Was, meint ihr, kostet so ein Wagen?“, fragt Schäfers Kollegin Sabine Schmelz. „Eine Million Euro!“, ruft Berkay spontan. „Voll ins Schwarze“, sagt Schmelz anerkennend. „Was machen Sie im Sommer?“, fragt Meret schließlich. „Wir erneuern unsere Lizenzen, bringen die Fahrzeuge in die Werkstatt und schulen unsere Mitarbeiter im Übungsflugzeug. Oft heißt es ‚Im Winter enteisen, im Sommer verreisen‘, aber so ist das nicht“, sagt Schäfer lachend. Sümeyye, begleitet von einem „N*ICE“-Mitarbeiter, klettert als erste per Leiter auf das Dach eines Dreiachsers, der für die Enteisung einer A 380 benutzt wird. Die Schüler dürfen das Testflugzeug zu Übungszwecken mit Wasser eigenhändig von einer imaginären Eisschicht befreien.

Inzwischen haben sich Matey und seine Mitschüler die 400 Fahrzeuge starke Flotte des Winterdienstes angeschaut, die für die Räumung aller Wege und Positionen sorgt. Zum Abschluss schaut sich die ganze Klasse eine ruhende Maschine aus nächster Nähe an. Gesehen hätten sie heute auf jeden Fall genug, um einen Artikel zu schreiben, sind sich alle einig.