MAURER-WORKSHOP Viertklässler der Brüder-Grimm-Grundschule kriegen Einblick in Baufirma Gemünden

INGELHEIM. „Wer will fleißige Handwerker seh’n, der muss zu uns Kinder geh’n, Stein auf Stein, Stein auf Stein, die Mauer wird bald fertig sein.“ Die Mauer? In dem bekannten Kinderlied ist es eigentlich ein Häuschen, das gebaut wird. Die Schüler der Klasse 4a der Brüder-Grimm- Grundschule durften bei der Baufirma Gemünden aber eine Steinmauer bauen. Mit Kelle, Mörtel, Wasserwaage und allem, was dazugehört.

Ich glaube, für viele Kinder ist das tatsächlich etwas Neues, weil nicht alle Eltern eine Zeitung abonniert haben.

Jessica Widera, Klassenlehrerin

Im Rahmen der AZ-Aktion „Schüler lesen Zeitung“, die von der Bauunternehmung gesponsert wird, dürfen die 18 Kinder vergangene Woche beim Maurer- Workshop auf dem Betriebshof ihr handwerkliches Können austesten. Vorher erklärt Polier Ingo Floch noch einige wichtige Fragen zum Maurerberuf: Was ist ein Rohbau? Was bedeutet „schlüsselfertig?“ Welche Fähigkeiten muss ein Maurer haben? Schließlich sollen die Viertklässler so viele Einblicke in den Beruf bekommen wie nur möglich. Richtig spaßig wird es für die Kids dann beim praktischen Teil. Schon beim Verteilen der Schutzhelme können sie ihr Lachen nicht zurückhalten. „Ich bin Bob der Baumeister“, ruft ein Junge. „Heute sind wir alle Bobs“, sagt Ingo Floch und setzt noch dem letzten Kind den gelben Helm auf. Sicherheit geht auf dem Gelände der Baufirma immer vor. Zwischen Kränen, Baggern, Lkw und Baumaterialien geht es über den großen Hof zur kleinen Maurerwerkstatt, wo Niklas Wollmer und Chris Restani schon warten. Die Maurer-Azubis im dritten Lehrjahr zeigen den Schülern in kleinen Gruppen, wie man den Mörtel – auch Speis genannt – mit der Kelle auf die Steine aufträgt, und einen anderen Stein gerade daraufsetzt. Das wollen die Viertklässler gleich selbst ausprobieren und diskutieren prompt darüber, wer als erstes mauern darf. Am Ende ist es aber doch Teamarbeit. Einer holt die Steine, einer verteilt den Mörtel, einer hält die Wasserwaage. Immer abwechselnd.

Schon seit Jahren bietet die Baufirma Gemünden solche Workshops, aber auch andere Aktionen wie Baustellenbesuche, für Schulklassen an. „Es geht eben darum, auch Dinge zu erleben, die man nicht so kennt“, erklärt Pressemitarbeiterin Carolin Grimm. Und das Konzept scheint aufzugehen. Einige Real- oder Hauptschüler haben sich schon nach dem Schnuppertag für eine Lehrstelle im Unternehmen beworben. Und das, obwohl bei den Teenagern oft noch ein wenig Hemmungen bei den Workshops zu erkennen sind. Ganz im Gegenteil zu den Grundschülern. „Das Schöne bei den jüngeren Schülern ist, dass sie so unbefangen an die Sache rangehen“, sagt Carolin Grimm. Der Spaß ist ihnen anzusehen und anzuhören.

Nach dem Besuch bei Gemünden- Bau heißt es für die Schüler dann, nicht mehr Maurer sein, sondern Journalist. Im Unterricht schreiben die Viertklässler einen Bericht über ihren Ausflug auf den Bauhof – inklusive Überschrift und Unterzeile. Das ist Teil des Konzepts von „Schüler lesen Zeitung“. Wie es die richtigen Journalisten machen, schauen sich die Viertklässler ab dem heutigen Montag an. Dann wird für vier Wochen jeden Tag die Zeitung gelesen und in den Unterricht mit eingebunden. „Ich glaube, für viele Kinder ist das tatsächlich etwas Neues, weil nicht alle Eltern eine Zeitung abonniert haben“, sagt Klassenlehrerin Jessica Widera. „Die Schüler freuen sich schon sehr darauf.“